Abszess – Symptome und Behandlung

Seit Tagen macht sich auf der rechten Wange eine geschwollene Stelle unter der Haut bemerkbar. Sie spannt und schmerzt, ist gerötet und heiß. Mit jedem Tag scheint sie etwas größer zu werden und zieht mittlerweile alle Blicke auf sich. Dr. Hendrike Durani ist Hautärztin in Heidelberg. Sie kennt sich mit solchen Eiterbeulen aus: „Was sich da unter der Gesichtshaut gebildet hat, bezeichnen wir als Abszess. Er kann am und im ganzen Körper entstehen und liebt Orte, an denen durch kleine Verletzungen Bakterien eindringen können.“

Der Abszess ist eine Entzündungsreaktion

Ein Abszess ist eine Eiteransammlung, lokalisiert in einem Hohlraum des Gewebes. Dieser Hohlraum bildet sich durch den Abszess. Ursache der Eiteransammlung ist eine Entzündung. Sie entsteht, wenn Krankheitserreger in den Körper eindringen. Der Eiter bleibt als Relikt der Abwehrschlacht gegen diese Krankheitserreger zurück. Er setzt sich aus Leukozyten, Bakterien, Geweberesten und etwas Blutserum zusammen. Lagert sich der Eiter in einem Gewebehohlraum dauerhaft ein, liegt ein Abszess vor. Eine solche Eiterbeule darf niemals selbst ausgedrückt werden. Heilt sie nicht von selbst ab, muss der Arzt helfen.

Abszesse können überall auftreten

Ein Abszess ist wandlungsfähig, je nach dem Entstehungsort der Eiterbeule am oder im Körper. Ebenso wandlungsfähig ist das medizinische Vokabular. Dr. Hendrike Durani: „Bekannt ist der Furunkel – in seiner Steigerung wird er Karbunkel genannt. Es gibt außerdem noch den subhepatitischen Abszess unter der Leber, den Douglasabszess zwischen Blase und Rektum sowie den Steißbeinabszess, der sich aus einer Fistel am Steißbein bildet.“ Neben stark durchbluteten Organen wie der Milz bietet besonders die Haut Angriffsfläche für die schmerzhafte Eiterbeule. Als exponiertes Organ kommt die Haut am häufigsten mit Krankheitserregern in Kontakt. Bekannt ist der Furunkel, eine Entzündung der Haarwurzel. In den tieferen Hautschichten stirbt durch die Infektion das Gewebe ab: Es entsteht eine schmerzhafte Eiterbeule. Verschmelzen mehrere solcher Eiteransammlungen, spricht die Hautmedizin von Karbunkeln. Furunkel und Karbunkel siedeln sich gerne im Gesicht, am Hals und im Nacken an. Auch in den Achseln und Leisten, am Gesäß und den Oberschenkeln, im Schambereich und im Rücken zeigt sich die Eiteransammlungen häufig. Der Umfang des Abszesses reicht von kirschkernklein bis handflächengroß.


Kann ein Abszess gefährlich werden?

Ein Abszess darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die körperinterne Müllabfuhr der Immunzellen erreicht jene hohlraumumschlossene Eiterbeule nur schwer. Ist das Immunsystem ohnehin geschwächt, wird der Organismus mit dem Abszess nicht allein fertig. Besonders die Eiterbeule im Gesicht bedarf der ärztlichen Behandlung. Sie pocht, sie schmerzt, sie wird heiß. Während sie weiter wächst, treten Fieber, Mattigkeit und Schüttelfrost auf. Der Abszess kann in Gefäße durchbrechen, die das Gehirn versorgen: Aus einer harmlosen Eiterbeule entwickelt sich eine schwere Krankheitskrise.

Wann gehört ein Abszess in ärztliche Hände?

Dr. Hendrike Durani kennt aus ihrer dermatologischen Praxis schwere Abszesskomplikationen. „Ein Abszess kann das Blut vergiften. Wenn von der unbehandelten Eiterbeule aus ein rötlicher Streifen verläuft, liegt möglicherweise eine Sepsis vor. Dann sollten Sie so schnell es geht eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus aufsuchen.“ Die im Mundraum lokalisierte Eiterbeule, auch Kieferabszess genannt, steht meist in Zusammenhang mit schadhaften Zähnen oder mit Zahnoperationen. Sie gehört unverzüglich in die Behandlung des Zahnarztes. Abszesse an inneren Organen sind für den Laien schwieriger zu diagnostizieren. Eine Eiterbeule an Leber oder Milz verursacht Oberbauchschmerzen und unspezifische Symptome wie Fieber und Schüttelfrost. Entsteht die Eiteransammlung im Gehirn, zeigen sich Missempfindungen, Lähmungen und Gedächtnisstörungen. Sofort zum Arzt gehen!

Die Abszessbehandlung: Mit Geduld und Fachkunde zum Heilerfolg

Die Abszessbehandlung hängt vom Entstehungsort der Eiterbeule ab. Auch der Entstehungszeitpunkt des Abszesses spielt eine Rolle. Dr. Durani: „Ein Abszess ist unreif oder reif. Hat sich der Hohlraum unter der Haut noch nicht vollständig mit der Eiterbeule gefüllt, bleibt er unbehandelt. Erst wenn die Eiterbeule ihren ganzen Umfang erreicht hat, schneidet der Arzt sie auf. Für die Beurteilung des richtigen Zeitpunktes genügt dem erfahrenen Dermatologen der Sicht- und Tastbefund. Und keine Sorge: Der Schnitt geschieht unter örtlicher Betäubung.“ Nach Entleerung der Eiterbeule und der Wunddesinfektion heilt ein aufgeschnittener Abszess normalerweise schnell ab. Ähnlich wird auch beim Analabszess verfahren, einer häufigen Spielart der Vereiterung.

Abszess – meist keine schnelle Therapie

Die Behandlung einer Eiterbeule braucht Geduld. Diese geht dem Patienten besonders schnell aus, wenn sie an exponierter Stelle wie im Gesicht oder an empfindlichen Orten wie im Kiefer oder am Rektum sitzt. Dennoch gilt: Ein Behandlungserfolg jener unattraktiven und schmerzhaften Stelle hängt vom Reifungsgrad ab. Um diesen zu beschleunigen, legt der Arzt einen Zugsalbenverband an. Das traditionelle Medikament Zugsalbe basiert auf Schieferöl. Es wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und durchblutungsfördernd. Die Immunzellen gelangen schneller zu ihren Zielort, die Eiterbeule gewinnt rascher an Volumen und wird schließlich aufgeschnitten. Zugsalbe gibt es in jedem Drogeriemarkt zu kaufen.

Vorsicht:
Eine gelegentlich auftretende Eiterbeule ist eine Begleiterscheinung der Immunabwehr. Rechtzeitig und fachkundig behandelt klingt sie schnell ab. Tritt ein Abszess jedoch häufiger auf oder heilt er trotz Behandlung nicht oder zu langsam, liegt eventuell ein geschwächtes Immunsystem, ein Diabetes oder eine andere Erkrankung zugrunde. In diesem Fall sollte der Arzt für eine umfangreichere Diagnostik zu Rate gezogen werden.