Krätze (Skabies) – Symptome und Behandlung

Für Harry-Potter-Freunde ist Krätze allenfalls der tierische Gegenspieler ihres Helden; für Kinder früherer Generationen war sie oft traurige Gewissheit: Die durch Milben verursachte Erkrankung Skabies begleitete Menschen über viele Jahrhunderte hinweg. Bis heute ist die Gefahr eines Krätzmilben-Befalls groß; anders als damals kann er jedoch besser gebannt werden.

Bohrkanal einer Krätze-Milbe am Fuß. Die Milbe ist links oben als sehr kleiner schwarzer Punkt erkennbar. 

↓ Wortherkunft
↓ Ursache: Skabies-Milbe
↓ Symptome
↓ Diagnose
↓ Ansteckungsgefahr
↓ vorbeugen
↓ Therapie

Krätze – schon redensartlich unangenehm

Auch, wenn der eingangs gezogene Vergleich etwas hinkt: Krätze ist eine vielfach missverstandene Krankheit. Selbst bei Personen, die noch nie befallen waren, ruft das Wort unwillkürlichen Juckreiz hervor. Schuld daran ist die oft missbräuchliche Verwendung. Nahezu jeder, der unerwünschte Begegnungen hat oder in unerwünschte Situationen kommt, kommentiert es mit der Bemerkung, davon “die Krätze zu kriegen”.

Doch was es wirklich heißt, an Skabies zu erkranken, wissen nur wenige. Sogar Ärzte stehen den Symptomen manchmal ratlos gegenüber – denn auf einen flüchtigen Blick oder durch laienhafte Beschreibung gleicht Krätze zahlreichen anderen Hautirritationen. Bei genauerem Hinsehen aber offenbart sich recht deutlich, woran Patient/-innen mit übermäßigem Juckreiz tatsächlich leiden:

Skabies-Milben: Kleine Ursache, große Wirkung

Krätze wird durch winzige Spinnentierchen verursacht, die zunächst auf der Hautoberfläche siedeln. Ihr wissenschaftlicher Name lautet Sarcoptes scabiei variatio hominis – zu Deutsch

Krätzemilbe

Eine Krätzemilbe unter dem Auflichtmikroskop

 menschliche Krätzmilbe.Beide Bezeichnungen deuten bereits an, was mit einem Befall einhergeht: Skabies, hierzulande auch Krätze genannt. Doch die Krankheit entsteht nicht durch die Milben selbst, sondern durch das Zusammenspiel von Ernährung, Verdauung und Fortpflanzung.

Nach der Paarung gräbt das Weibchen kleine Gänge in die äußere Schicht der befallenen Haut, um darin ihre Eier abzulegen. Schlüpfen die Skabies- bzw. Krätzmilbe-Larven, bewegen sie sich aus ihrem Versteck heraus und leben wie die Elterntiere auf der Hautoberfläche ihres Wirts. Dort wachsen sie heran, paaren sich und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Die eigentliche Ursache der Krätze sind die Kotballen, welche sowohl Jung- als auch Alttiere fallen lassen. Sie sammeln sich in den Brutgängen und regen das Immunsystem des Wirts zu Gegenmaßnahmen an. Es versucht, den Skabies- bzw. Krätzmilben-Kot abzustoßen, indem es eine Entzündung provoziert. In ihrer Folge kommt es zu Hautrötungen und starkem Juckreiz. 

Skabies-Symptome: Woran erkenne ich Krätze?

Das dadurch geförderte Kratzen hat der Krätze ihren Namen gegeben und gilt als erstes Symptom der Erkrankung. Zudem hält es die Hautreizung aufrecht und begünstigt das Eindringen von Bakterien, so dass ein wahrer Teufelskreis entsteht. Die Entzündung, die als Reaktion auf den Skabies- bzw. Krätzmilben-Kot entstanden ist, bildet das Einfallstor für neue Erreger, die das Abklingen verhindern und die Ausscheidungsprodukte der Parasiten noch tiefer eindringen lassen.

Krätzebefall an der Hand

Krätzebefall an der Hand mit juckendem Hautausschlag.

Welche Körperpartien die Mini-Spinnen besiedeln, hängt vom Alter der Betroffenen ab: Während Erwachsene vor allem zwischen den Fingern und Zehen an Krätze erkranken, können bei Babys und Kleinkindern auch die Hand- und Fußflächen sowie die behaarte Kopfhaut befallen sein.

Deutlich seltener als an den oben genannten Stellen siedeln Skabies- bzw. Krätzmilben in der Achselgegend und im Bereich des Nabels oder der Brustwarzenhöfe. Auch die Knöchel, die inneren Fußränder und die Genitalregion lassen eher selten Krätze-Symptome erkennen.

Überall, wo die Milben bzw. deren Kotballen wirken, zeigen sich

  • Rötungen
  • Schuppen
  • Knötchen von der Größe eines Stecknadelkopfes

Bei genauem Hinsehen bzw. bei vergrößerter Betrachtung durch eine Lupe sind oft auch die Grabspuren der Weibchen zu sehen. Sie erscheinen als längliche gewundene Gänge, die entfernt an das Fraßbild von Holzschädlingen erinnern. Gelegentlich ist auch ein Blick auf die Parasiten selbst möglich. Da Skabies- bzw. Krätzmilben jedoch maximal 0,4 mm lang werden, sind sie mit bloßem Auge nur schwer auszumachen.

Skabies-Diagnose: Wie stellt der Arzt Krätze fest?

Auf all diese Anzeichen achtet auch der untersuchende Arzt – vorausgesetzt, er wird konkret mit dem Verdacht der Krätzekonfrontiert. Viele Patienten halten einen Befall für unmöglich, da sie falsche Vorstellungen vom Infektionsrisiko haben. Dementsprechend suchen Betroffene den Grund für die Hautrötungen und den Juckreiz eher in einem Pilz- oder Viren-Befall als in Skabies.

Doch ähnliche Beschwerden bei allen Angehörigen desselben Haushalts und Symptome, die sich bei Wärme verstärken, lenken die Aufmerksamkeit des Arztes meist in die richtige Richtung. Zur Untersuchung “verdächtiger” Patient/-innen benutzt er ein lupenähnliches Instrument, das er direkt auf die

Krätze Hautausschlag

Juckender Hautausschlag am Fuß durch Krätze

betroffenen Hautstellen aufsetzt.

Mit Hilfe dieses so genannten Dermastokops werden selbst kleinste Veränderungen sichtbar. Der Arzt kann sowohl die Fraßspuren erkennen als auch die charakteristisch geformten Leiber der Skabies- bzw. Krätzmilben.Darüber hinaus hat er die Möglichkeit, Material aus den Bohrgräben zu entnehmen und unter dem Mikroskop zu untersuchen. Auf diese Weise lassen sich Kotballen und / oder Eier der Parasiten entdecken. Auf unserer Startseite können Sie Ihr Hautproblem online an erfahrene Hautärzte schicken, die die Verdachtsdiagnose anhand typischer Merkmale auf hochaufgelösten Fotos, sowie der typischen Symptomatik erkennen.

Die Krätze gilt als diagnostiziert, wenn adulte Tiere, Gelege oder Ausscheidungen nachgewiesen werden können. Allerdings gelingt das sehr selten, weil bei gewöhnlicher Skabies nur rund zehn Milben auf dem Wirt siedeln. Im Zweifelsfall orientiert sich der Arzt daher an äußerlichen Anzeichen wie starken Rötungen, schuppender Haut und den Krätze-typischen Knötchen.

Skabies-Alarm! – Wie ansteckend ist Krätze?

Die vergleichsweise geringe Zahl der Milben ist zugleich ein Grund für die relativ geringe Ansteckungsgefahr bei Krätze. Ihre Übertragung erfolgt fast immer durch Hautkontakt. Damit die Tiere von einem Wirt auf den anderen übersiedeln können, müssen sich beide Personen ausreichend lange berühren. Ein kurzer Händedruck wie er zur Begrüßung üblich ist reicht dafür nicht aus. Daher wird Skabies in den meisten Fällen an Intim-Partner/-innen oder in der Eltern-/Kind-Konstellation weitergegeben.

Andere, ebenfalls häufige Übertragungswege findet Krätze in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Kindereinrichtungen. Auch hier besteht oft enger Körperkontakt, so dass die Milben leicht “wandern” können – und zwar ganz unabhängig von hygienischen Bedingungen. Die Annahme, dass Skabies durch Unsauberkeit übertragen wird, ist nämlich grundfalsch. Zum Wirt der Mini-Spinnen kann prinzipiell jede/-r werden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Parasiten sich festsetzen und vermehren ist bei ungepflegten Menschen jedoch sehr viel höher. Daher verbreitet sich Krätze unter beengten und unhygienischen Verhältnissen schneller und leichter als in sauberen Haushalten. Hinzu kommt, dass die Milben nur kurze Zeit ohne Wirt überleben. Die Chance, ein neues “Opfer” zu finden, ist in Massen-Unterkünften oder in Einrichtungen mit rasch wechselndem Publikum deutlich größer. So kommt es, dass sich Reisende in stark frequentierten Übernachtungseinrichtungen mit Skabies- bzw. Krätzmilben infizieren können.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – Krätze wirksam vorbeugen

Um einem Befall durch die Spinnentierchen vorzubeugen, empfehlen sich einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen. Die wichtigste ist, intensiven Körperkontakt zu Betroffenen zu vermeiden. Gleiches gilt für eine wahrscheinlich infizierte Umgebung. Wer sich auf Reisen vor Krätze schützen möchte, sollte stets in eigenem Bettzeug schlafen oder ein spezielles Reiselaken mitführen und auf persönliche Hygiene achten.

Besteht trotz aller Vorsicht der Verdacht, dass Skabies- bzw. Krätzmilben übersiedelt sind, sollten weitere Maßnahmen zur Anwendung kommen. Vor allem Wäschestücke, die intensiven Hautkontakt haben, bilden eine mögliche Ansteckungs-Quelle und müssen behandelt werden. Lassen sie sich bei mindestens 60 Grad waschen, ist die Skabies-Gefahr gebannt, denn bei dieser Temperatur sterben sowohl lebende Milben als auch Eier ab.

Anderenfalls hilft es, die Tiere förmlich auszuhungern. Feinwäsche, Plüschtiere u.ä. werden milbenfrei, wenn die Teile eine Woche lang in dicht schließenden Plastikbeuteln aufbewahrt werden. Polstermöbel sollten gründlich abgesaugt werden und vier Tage unbenutzt bleiben. Nach dieser Zeit sind alle Skabies- bzw. Krätzmilben gestorben.

Skabies-Therapie: So wird Krätze behandelt

Die gleichen Maßnahmen empfehlen sich zur Unterstützung der Krätze-Therapie. Bei gewöhnlichem Verlauf schlägt die übliche Behandlung gut an. Ihr präferiertes Ziel ist es, alle lebenden Skabies- bzw. Krätzmilben und bereits abgelegte Eier zu töten. Zu diesem Zweck kommt eine permethrin-haltige Creme zum Einsatz, die großflächig auf die betroffenen Hautbereiche aufgetragen wird. Nach einer Einwirkzeit von 8-12 Stunden sind die Patient/-innen die Milben los. Nun müssen sie das Anti-Krätze-Präparat gründlich abwaschen sowie Bett- und Körperwäsche komplett wechseln.

Oft schließt sich an diesen Behandlungsschritt ein weiterer an, denn die Hautreizung bleibt auch nach der Therapie bestehen. Die häufigste Ursache dafür sind “Reste” von Skabies- bzw. Krätzmilben, die das körpereigene Abwehrsystem in Schach halten. Daher kommen jetzt entzündungshemmende Salben und rückfettende Pflegecremes zur Anwendung. Sie unterstützen den Heilungsprozess der Haut und lassen die Folgen der Krätze allmählich abklingen.

Vom Beginn bis etwa vier Wochen nach der Therapie werden die Patient/-innen regelmäßig kontrolliert, um ein erneutes Ausbrechen von Skabies zu vermeiden. Erst nach dieser Zeit ist die Erkrankung überwunden. Die Ansteckungsgefahr ist jedoch bereits nach dem erstmaligen Auftragen der milbentötenden Creme gebannt, so dass Krätze-Patient/-innen nach 8-12 Stunden wieder zur Schule bzw. Arbeit gehen können.

Alternativ kann die Behandlung mit Tabletten erfolgen. Sie beinhalten die gleichen Wirkstoffe wie die Creme und sind vor allem dann angeraten, wenn Betroffene die vorgeschriebene Einwirkzeit nicht gewährleisten können oder eine äußerliche Skabies-Therapie erfolglos war.

Die Dosis macht das Gift – Krätze-Behandlung ernst nehmen

Doch so schnell und zuverlässig die genannten Mittel wirken, so gefährlich sind sie auch. Ihre hochwirkamen Inhaltsstoffe können Vergiftungen hervorrufen und dürfen keinesfalls überdosiert werden. Aus diesem Grund muss Skabies streng nach ärztlicher Vorschrift behandelt werden – und schließt Schwangere und Stillende aus. Für sie ist derzeit kein geeignetes Anti-Krätze-Mittel verfügbar. Auch bei Babys und Kleinkindern ist erhöhte Vorsicht geboten. Ihre Körper dürfen nicht zu viel der skabiziden Creme aufnehmen – weswegen sehr junge Patient/-innen vor Wärme geschützt werden müssen.

Besorgte Eltern oder selbst Betroffene sollten sich jedoch nicht verunsichern lassen und Krätze-Fälle zwingend unter ärztliche Aufsicht stellen – denn unbehandelt kann die Krankheit chronisch werden. Ist das Immunsystem von Patient/-innen stark geschwächt, besteht zudem die Gefahr, dass sich Skabies kompliziert entwickelt. Dann kann der Befall zu Wundrose führen oder gar eine Blutvergiftung nach sich ziehen.