Reibeisenhaut (Keratosis Pilaris) – Gänsehaut als Dauerzustand

Ganz gleich, wie alt die Haut bereits ist: Ihre Oberfläche fühlt sich stets glatt an – auch auf und zwischen eventuellen Falten. Erst in Folge eines Kältereizes oder bei emotionaler Erregung wirkt sie uneben und rau. Dieses Phänomen ist als “Gänsehaut” bekannt und erfüllt eine Reihe überlebenswichtiger Aufgaben. Was aber, wenn es sich auch ohne die genannten Einflüsse zeigt? Dann sprechen Mediziner von Keratosis pilaris – der so genannten Reibeisenhaut.

Bild: Reibeisenhaut am Unterarm einer älteren Dame.

↓ Was ist Reibeisenhaut?
↓ Ursachen
↓ Symptome
↓ Selbstbehandlung
↓ Professionelle Therapie

Was ist Reibeisenhaut? Ein interessanter Vergleich.

Optisch und haptisch ähneln sich die beiden Erscheinungen sehr. Sowohl Gänse- als auch Reibeisenhaut zeigt viele kleine Erhebungen und hinterlässt beim Berühren ein raues Gefühl. Die Gründe für diese Faktoren sind jedoch jeweils eigene – und können unterschiedlicher gar nicht sein.

Gänsehaut, das körpereigene Frostschutzmittel

Gänsehaut entsteht, indem sich die Haut zusammenzieht, um eine möglichst kleine Fläche zu bieten. Zugleich stellen sich die eingelagerten Härchen auf, damit der Körper die dazwischen befindliche Luft schneller erwärmen kann und vor Auskühlung geschützt ist. Obwohl moderne Menschen kaum noch Körperbeaarung haben, aktiviert sich dieser uralte Kälteschutz genauso wie vor Tausenden von Jahren.

Dass er auch bei emotionalen Reizen anspringt, hat einen anderen Grund: Unter Angst oder gesteigerter Aufmerksamkeit sorgt Gänsehaut dafür, dass das Haarkleid üppiger wirkt und seine Träger/-innen größer erscheinen als sie sind. Auch dieser Effekt diente einst dem Überleben; hat sich aber gleichfalls überholt.

Reibeisenhaut, die genetische Fehlprogrammierung

Anders als der körpereigene Frostschutz ist Reibeisenhaut weder an Temperatur-Reize noch an emotionale Erregung gekoppelt – sondern immer präsent. Wodurch sie entsteht, konnten Forscher noch nicht vollständig klären. Viele vermuten einen genetischen Hintergrund, weil Keratosis pilaris innerhalb einer Familie und bei Zwillingen gehäuft auftritt.

Im Allgemeinen liegt ihr eine Verhornungsstörung zu Grunde. Dadurch kann die Haut abgestorbene Schüppchen nicht rechtzeitig abstoßen – was zu pickelähnlichen Ansammlungen führt und optisch an Gänsehaut erinnert. Außerdem bildet der Körper Betroffener zu viel Keratin, welches die Verhornung der Haut fördert.

Das derart gestörte Gleichgewicht begünstigt Entzündungen und lässt die Haut rot und schuppig wirken. Beim Überstreichen stellt sich das Gefühl ein, dass der Störung ihren Namen gegeben hat: Die Finger scheinen ein Reibeisen zu berühren und wecken das Empfinden, die Haut sei extrem trocken.

Keine eigenständige Krankheit

Keratosis pilaris ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne. Sie wird als kosmetisches Problem eingestuft und muss von den Betroffenen selbst behandelt werden. Als typische Begleiterscheinung von

  • Asthma bronchiale
  • Ichthyosis vulgaris
  • Neurodermitis
  • Schnupfen
  • zahlreichen Allergien

ist Reibeisenhaut jedoch erstaunlich weit verbreitet. Rund 40% der Weltbevölkerung zeigen die typischen Symptome dieser Störung.

Für gewöhnlich treten sie an den Rückseiten der Oberarme auf; können sich aber auch an den Oberschenkeln und / oder auf dem Rücken zeigen. Bei Keratosis pilaris im Gesicht sind vor allem die Areale seitlich der Nasenflügel betroffen.

Ein grundsätzlich trockenes Hautniveau, geringe Luftfeuchtigkeit und hormonelle Umstellungen begünstigen die Ausbildung von Reibeisenhaut bzw. das Auftreten der Symptome. Generell kann sie in jedem Alter sichtbar werden; die einsetzende Pubertät fördert die Symptome jedoch am stärksten. Dabei fällt auf, dass Mädchen etwas häufiger betroffen sind als Jungen.

Im Zweifelsfall zum Arzt

Ein spezielles Testverfahren für Keratosis pilaris gibt es nicht. Der Arzt stellt die Diagnose ausschließlich durch einen Blick auf das typische Erscheinungsbild der Störung. Bei Unsicherheiten kann die Anamnese von Familienangehörigen letzte Gewissheit geben, denn die Gründe für das Ausbilden einer Reibeisenhaut sind vermutlich erblich.

Wenn die betroffenen Bereiche

  • größer werden,
  • sich entzünden,
  • schmerzen,
  • stark jucken und / oder
  • auffallend lang anhaltende Symptome

zeigen, sollte zwingend ein Fachmann zu Rate gezogen werden, um weitere bzw. andere Erkrankungen auszuschließen.

Selbstbehandlung

Bei normalem Verlauf kann eine Keratosis pilaris sehr gut selbst behandelt bzw. gepflegt werden.

Reinigung

Zur Reinigung empfiehlt sich eine pH-neutrale Seife oder seifenfreie Waschlotion. Sie schützt die ohnehin trockene Haut davor, noch mehr Feuchtigkeit zu verlieren und bewahrt ihren natürlichen Säureschutzmantel.

Um das Abtragen von Hautschüppchen zu fördern, sollten Patient/-innen mit Reibeisenhaut regelmäßig Peelings machen. Entsprechende Produkte gibt es fertig zu kaufen; sie können aber auch leicht selbst hergestellt werden – zum Beispiel aus hochwertigem Olivenöl und grobem Meersalz.

Alternativen dazu sind ein Frottee-Waschlappen oder ein spezieller Peeling-Schwamm bzw. -Handschuh. Und statt eines Handtuchs darf bei Keratosis pilaris gern die Bürste zum Einsatz kommen. Wie das so genannte Trockenbürsten funktioniert, erfahren Interessent/-innen durch videogestützte Schritt-für-Schritt-Anleitungen im Internet.

Pflege

Das optimale Pflege-Produkt für Reibeisenhaut spendet Feuchtigkeit und wirkt zugleich rückfettend. In diesem Sinne haben sich Cremes und Lotionen für Neurodermitis-Patient/-innen bestens bewährt. Auch naturbelassene Öle aus Avocados, Weizenkeimen, Kokosnussfleisch, Arganfrüchten oder Oliven sollen nachhaltige Ergebnisse bei der Pflege von Reibeisenhaut erzielen.

Eine weitere, eher ungewöhnliche Empfehlung sind Après-Sun-Artikel. Sie besitzen eine extra leichte Textur, ziehen besonders schnell ein und versorgen die Haut mit viel Feuchtigkeit. Darüber hinaus enthalten sie entzündungshemmendes Panthenol und Vitamin E.

Ernährung

Auch, wenn Keratosis pilaris keine spezielle Diät erfordert, können Betroffene den Verlauf durch ihre Ernährung positiv beeinflussen. Im Prinzip gelten für diese Störung die gleichen Empfehlungen wie für jeden “ausgewogenen Speiseplan”: kein Industriezucker, kein Auszugsmehl, keine Fertigprodukte; statt dessen viele frische und möglichst saisonale Produkte.

Was sich gut oder schlecht auf das Hautbild auswirkt, ist jedoch sehr individuell. Liegt der Verdacht nahe, dass die Reibeisenhaut durch bestimmte Nahrungsmittel begünstigt wird bzw. dass diese regelrechte Schübe auslösen, sollten Betroffene ein Ernährungs-Tagebuch führen.

Professionelle Behandlung

Laser-Strahlen

In schweren Fällen kann Keratosis pilaris mittels Kohlendioxid-Laser therapiert werden. Hierzu richtet der Arzt den Strahl direkt auf die betroffene Hautstelle und wiederholt das Verfahren im Abstand mehrerer Wochen. Eine endgültige Heilung ist dadurch zwar nicht gegeben; doch es tritt eine sicht- und fühlbare Besserung ein.

UV-Strahlen

Nicht zuletzt hilft gegen Reibeisenhaut das Gleiche wie gegen Gänsehaut: Sonne! Doch während es bei Letzterer die Wärme ist, die guttut, wirken bei der Verhornungsstörung vor allem die UVB-Strahlen. Sie regen unter anderem die Bildung von Vitamin D an, welches seinerseits das Immunsystem ankurbelt. Der Effekt zeigt sich sowohl bei natürlichem Sonnenlicht als auch unter der Lichtdusche.

Jetzt einen Hautarzt fragen

Schicken Sie Fotos von Ihrem Hautproblem an einen unserer Hautfachärzte aus Heidelberg. So erhalten Sie schnell, anonym und kostengünstig (35,- Euro) eine professionelle Einschätzung Ihres Hautproblems. Dank der Handlungsempfehlung wissen Sie zudem, was Sie tun können.

/ 5. Anzahl: