Urtikaria (Quaddeln) – Ursachen, Symptome und Behandlung

Die meisten Menschen werden mindestens einmal im Leben mit scharf umrissenen geschwollenen Hautflecken konfrontiert, die mit Wasser gefüllt sind. Diese Quaddeln treten meist plötzlich auf, gehen mit Rötungen und intensivem Juckreiz einher. Die Rötungen umgeben dabei die Quaddeln, die selbst weißlich oder hautfarben aussehen. Von der Größe her bewegen sich die Hauterscheinungen zwischen Millimetern und etwa 2 Zentimetern. Dabei fließen häufig kleinere Quaddeln zu einem großen zusammenhängenden, geschwollenen Fleck zusammen. Mediziner bezeichnen Quaddeln als Urtikaria. Dieser lateinische Name steht für Nessel, sodass Nesselsucht eine weitere geläufige Bezeichnung für diese Erkrankung ist. Die Hauterscheinungen der Quaddeln sind denen ganz ähnlich, die nach einem Hautkontakt mit Brennnesseln auftreten.

Bild: Quaddeln auf der Haut durch Urtikaria (Nesselsucht)

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Was ist Urtikaria?

Quaddeln gehen auf aktivierte Entzündungszellen in der Haut zurück. Diese sogenannten Mastzellen machen im Laufe einer Entzündungsreaktion durch Ausschüttung des Botenstoffes Histamin die Gefäße durchlässiger.

Der Botenstoff Histamin ist entscheidend

Histamin ist vor allem als Botenstoff bei allergischen Reaktionen im menschlichen Organismus beteiligt. Bei einer Allergie reagiert das körperliche Abwehrsystem auf an sich harmlose Stoffe wie auf einen Krankheitserreger oder Fremdstoff. Es kann zu entzündlichen Reaktionen der verschiedensten Art kommen, wenn die Immunabwehr versucht, den allergieauslösenden Stoff zu beseitigen. Histamin spielt bei diesen Reaktionen immer eine wichtige Rolle. Der Botenstoff bindet sich unter anderem an bestimmten Stellen der Haut an. Dieses “Andocken” an spezifische Rezeptoren erweitert die Blutgefäße in der Umgebung und macht bei der Urtikaria die Gefäßwände durchlässig.

Man kann sich die Rezeptoren wie Schlösser vorstellen, zu denen der Botenstoff Histamin wie ein Schlüssel passt. Es kann im Zuge des Prozesses Wasser in das umgebende Gewebe gelangen. Dann entstehen die für die Urtikaria charakteristischen Schwellungen, die Quaddeln. Die Mastzellen schütten das Histamin auch in Nervenzellen aus, was zu dem ebenfalls für die Erkrankung typischen Juckreiz führt. Erreichen die Histamine tiefere Hautschichten im Unterhautgewebe, kommt es zu den oben beschriebenen tiefliegenden Schwellungen, sogenannten Angioödemen. In den meisten Fällen treten Angioödeme zusammen mit Quaddeln auf, selten isoliert. Ursächlich für die Entzündungsreaktion und die folgenden Quaddeln können Fremdstoffe sowie andere Einflüsse von innen wie außen sein. In Betracht kommen hier Allergene wie Pollen, von Insekten durch einen Stich induzierte Substanzen, Gifte, Nahrungsmittel, infektiöse Krankheitserreger, Autoimmunerkrankungen (das körpereigene Abwehrsystem geht dabei gegen körpereigene Strukturen vor) sowie physikalische Einflüsse wie Licht, Wärme, Druck oder Reibung.

Die akute Form der Urtikaria

Die akute Form der Nesselsucht mit den typischen Quaddeln geht in der Regel entweder auf eine Infektion oder auf den Kontakt mit einem Allergieauslöser zurück. Bei den Infekten sind vor allem Atemwegsinfekte oder infektiöse Magen-Darm-Erkrankungen ursächlich. Nicht immer zeigen die von Quaddeln betroffenen Patienten Krankheitszeichen für eine Infektion. Löst ein Einfluss von außen die Quaddeln aus, kann es sich zum Beispiel auch um einen Bienenstich handeln.

Die akute Form der Urtikaria dauert weniger als 6 Wochen an. Oft bilden bei akuten Formen der Erkrankung die Quaddeln bereits innerhalb von 24 Stunden von selbst zurück. Akut ist die Urtikaria besonders von spontanen Verläufen geprägt. Das gilt für die Entstehung wie die Ausheilung der Hauterscheinungen gleichermaßen.

Chronische Verlaufsformen der Urtikaria

Vielfach ist die chronische Verlaufsform der Nesselsucht mit verschiedenen Bakterien assoziiert. Diese unterhalten dann beispielsweise eine Nasennebenhöhlen- oder Mandelentzündung. Manche Bakterien sind wie im Falle des Bakteriums Helicobacter pylori an Magenschleimhautentzündungen beteiligt. Chronische Verläufe gehen häufiger auf Unverträglichkeiten im Zusammenhang mit Lebensmittelzusatz- und Arzneistoffen zurück. Diese spezielle Form der Urtikaria heißt Intoleranzurtikaria.
Chronische Urtikaria-Formen dehnen sich über einen Zeitraum von über 6 Wochen aus. Bei manchen Formen der Nesselsucht kann eine Ursache nicht festgestellt werden. Mediziner sprechen dabei von der idiopathischen Form der Urtikaria. Idiopathisch steht für selbstständig und unabhängig.

Einige Menschen reagieren auf Stress mit der Ausbildung von Quaddeln.

Was sind die Symptome einer Urtikaria?

Kennzeichnend sind die bereits beschriebenen Hautschwellungen, der Juckreiz und die umrandenden Rötungen. Bei den Angioödemen fällt der Juckreiz weg, dafür brennt die Haut bis in die Tiefe hinein. Es können im Zuge einer Nesselsucht auch die Schleimhäute an verschiedenen Körperstellen anschwellen. Bei manchen Patienten schwillt das gesamte Gesicht an, es entsteht dann zusätzlich oft ein Gefühl von Wärme. Bei besonders starken Reaktionen können lebensbedrohliche Atembeschwerden auftreten. Bei einigen Betroffenen kommt es gleichzeitig oder anstelle der Quaddeln zu tiefergehenden, wenig umrissenen Schwellungen im Gewebe, die sich angespannt anfühlen und brennen.

Wie werden Quaddeln diagnostiziert?

Beim Auftreten von Quaddeln führt deren Erscheinungsbild den Hautarzt schnell zur Diagnose einer Urtikaria. Der Arzt wird den Patienten nach der Dauer der Symptome und weiteren Umständen fragen. Danach entscheidet er, ob weitere Untersuchungen wie Blutuntersuchungen notwendig werden. Die Entscheidung für eine umfassendere Diagnostik hängt vor allem bei chronischen Verläufen oder Allergieauslösern davon ab, ob die Ursache für die Reaktion erst erforscht werden muss oder schon bekannt ist. Die erforderlichen ursachenforschenden Untersuchungen können bei der chronischen Urtikaria einige Zeit in Anspruch nehmen. Hier wird etwa das Blut auf verschiedene Erreger hin analysiert. Außerdem sind verschiedenste Blutwerte zu bestimmen, unter anderem die Werte der Schilddrüsenfunktion.

Unter Umständen werden weitere Fachärzte in die Diagnostik einbezogen, die beispielsweise über einen Atemtest nach dem Bakterium Helicobacter pylori fahnden. Besteht der Verdacht auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten, können kurzzeitige Ausschlussdiäten über den verantwortlichen Nahrungsbestandteil Aufschluss geben.

Wie wird Urtikaria behandelt?

Da die spontanen Formen der Nesselsucht auch von selbst in Tagen oder wenigen Wochen abheilen, wird der Hautarzt zur Linderung der Quaddelbildung zusätzlich sogenannte Antihistaminika empfehlen. Wie der Name sagt, unterdrücken diese Arzneimittel die Ausschüttung von Histamin. Bei einer Urtikaria mit Beteiligung der Schleimhäute sind weitere Akutmaßnahmen nötig, um die Atemwege frei zu halten. Hier werden Antihistaminika und Kortison in die Vene (intravenös) verabreicht.
Bei einer chronischen Form der Urtikaria wird in aller Regel die Grunderkrankung wie eine bakterielle Infektion behandelt. Es werden ebenfalls zusätzlich Antihistaminika gegeben. Einige chronische und schwere Verläufe der Urtikaria erweisen sich als Herausforderung für den Arzt, wenn der Patient auf die üblichen Dosierungen der Antihistaminika nicht angemessen anspricht. Dies kann bei Autoimmunreaktion besonders leicht der Fall sein. Oftmals werden dann zur Behandlung der Urtikaria auch Arzneistoffe einbezogen, die nicht für die Behandlung der Nesselsucht zugelassen sind. Typische Vertreter dieser Arzneistoffgruppe sind unter den Namen Ciclosporin, Dapson und Chloroquin bekannt. Sie werden individuell mit Antihistaminika kombiniert.

Jede Episode von Urtikaria kann einen individuellen Verlauf nehmen. Deshalb sollten Quaddeln einem Hautarzt vorgestellt werden. Auch mit Symptomen, die auf die beschriebenen Angioödeme in den tieferen Hautschichten hinweisen, sollte der Arzt aufgesucht werden. Starke und extreme Ausbrüche einer Urtikaria unter Beteiligung der Schleimhäute können aufgrund der Atemnot medizinische Notfälle darstellen, die umgehend ärztliche Behandlung erfordern.

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