Hämangiom (Blutschwämmchen) – Aussehen, Behandlung & Entfernung

Selten trifft der Beiname einer Krankheit so daneben wie im Falle des Hämangioms. Im Hinblick auf seine mögliche Größe und seine optische Wirkung scheint die Bezeichnung “Blutschwämmchen” fast etwas harmlos. Doch tatsächlich sieht ein Hämangiom meist schlimmer aus, als es ist, denn dabei handelt es sich um eine gutartige Wucherung. 

Hämangiome zeigen viele Gesichter: Tardive Hämangiome (links), kapilläres Hämangiom (oben), angeborenes Hämangiom.

↓ Was ist ein Hämangiom?
↓ Ursache
↓ Aussehen
↓ Therapie & Entfernung
↓ Fazit

Was ist ein Hämangiom?

Ein Hämangiom (Blutschwämmchen) ist eine gutartige Wucherung. Gutartig bedeutet, dass sich Blutschwämmchen gegen umliegendes Gewebe abkapseln. Sie bleiben auf eine Stelle des Körpers beschränkt und richten keine direkten Schäden an. Abhängig von seiner Größe und seiner Lage kann ein Hämangiom jedoch so beeinträchtigend wirken, dass sich eine Behandlung nötig macht.

Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn das Blutschwämmchen Hohlräume verschließt, Druck ausübt oder die Sinneswahrnehmungen einschränkt. Des Weiteren können ästhetische Faktoren bestimmen, ob sich Patient/-innen mit Hämangiom einer Therapie unterziehen sollten.

Durch seine

  • Ausdehnung von wenigen Millimetern bis mehreren Zentimetern,
  • blumenkohlartig aufgewölbte Oberfläche
  • hell- bis scharlachrote oder bläulich-violette Färbung

wirkt ein Hämangiom bei jedem Menschen anders.

Ursache: Fleißarbeit mit Folgen

Der Grundstein für die Ausbildung von Blutschwämmchen wird in der Embryonalphase gelegt. Aus bisher ungeklärter Ursache bildet der Organismus des heranreifenden Kindes mehr Endothel als nötig. Die so benannte Zellschicht kleidet die Innenwände von Blutgefäßen aus und steuert zahlreiche physiologische Prozesse.

Dass das Baby den menschlichen Bauplan übererfüllt, hat zunächst keine Auswirkung. Doch aus gleichfalls unbekannten Gründen dringt das überschüssige Gewebe irgendwann nach außen. Das kann sowohl im Inneren des Körpers geschehen als auch auf der Hautoberfläche. Ein Hämangiom kann prinzipiell überall sitzen; meist zeigt es sich jedoch im Gesicht, auf dem Kopf oder am Hals. Auch dafür gibt es bis dato keine schlüssige Erklärung.

Aussehen: Von winzig klein bis ziemlich groß

Grundsätzlich unterscheiden Mediziner zwischen zwei Arten von Blutschwämmchen, dem lokalisierten und dem segmentalen Hämangiom. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer, weitaus seltenerer Formen. Um eine eindeutige Zuordnung treffen zu können, sollten entstandene Blutschwämmchen möglichst rasch von erfahrenen Haut-, Kinder- oder Jugendärzten beurteilt werden. Sie können drohende Gefahren erkennen bzw. ausschließen und gegebenenfalls weiterführende Maßnahmen einleiten. Über unsere Startseite können Sie hochaufgelöste Fotos und Informationen an einen Hautfacharzt aus Heidelberg schicken, der diese in wenigen Stunden digital für Sie beurteilt und weitere Maßnahmen empfiehlt.

Lokalisiertes Hämangiom

Lokalisierte Hämangiome stellen die häufigste Form von Blutschwämmchen dar. Sie entstammen einem zentralen Herd; sind bei der Geburt jedoch noch nicht sichtbar. Erst nach einigen Tagen oder Wochen wachsen sie als rötliche, runde Erhebungen über das übrige Hautniveau heraus.

Bis zum Alter von 6-12 Monaten vergrößern sich lokalisierte Blutschwämmchen kontinuierlich; danach ruht das Wachstum über einen längeren Zeitraum. Für gewöhnlich bildet sich das Hämangiom noch im Kinderalter zurück. Zwischen dem 6. und 9. Geburtstag verschwindet es ganz oder bis zur wortwörtlichen Unkenntlichkeit.

Sitzen die so beschriebenen Blutschwämmchen im Gesicht, können sie als “kosmetischer Notfall” behandelt werden. Viel wichtiger als dieser ästhetische Aspekt ist jedoch, ob ein Hämangiom die hier verorteten Sinnesorgane beeinträchtigt. So kann es

  • im Augenbereich zu funktioneller Erblindung
  • im Nasenbereich zu Deformierungen wie der so genannten Cyrano-Nase
  • im Lippenbereich zur dauerhaften Veränderung

führen.

Am Rumpf und an den Extremitäten ruft ein lokalisiertes Hämangiom nur selten Einschränkungen hervor, so dass Betroffene die Entwicklung bzw. Rückbildung in Ruhe abwarten können. Ausnahmen von dieser Laissez-faire-Haltung bilden Blutschwämmchen, die

  • auffallend schnell wachsen,
  • im Genital- oder After-Bereich bzw.
  • an den Fingern oder Zehen

sitzen. Sie können sich zu Geschwüren entwickeln, den Tastsinn beeinträchtigen oder die Auswahl von Fußbekleidung erschweren.

Segmentales Hämangiom

Gegenüber der lokalisierten Variante sind segmentale Blutschwämmchen deutlich seltener – dafür aber umso auffallender. Sie sitzen fast immer im Gesicht und beeinträchtigen die Betroffenen sowohl optisch als auch funktional.

Zum Zeitpunkt der Geburt ist ein segmentales Hämangiom allenfalls als Rötung erkennbar. Es wächst jedoch sehr schnell und kann sich über einen Großteil des Gesichts ausbreiten. Je nach Lokalisation besteht die Gefahr, dass ein solches Blutschwämmchen die Nahrungsaufnahme und das Atmen behindert.

Um körperliche und seelische Leiden der Patient/-innen so gering wie möglich zu halten, sollten segmentale Hämangiome schnellstmöglich untersucht und therapiert werden.

Selten zwingend: die Therapie von Blutschwämmchen

Zur Feststellung, um was für ein Hämangiom es sich handelt, genügt der geschulte Blick des Arztes. Aufschluss über die Tiefenausdehnung und eine eventuelle Aktivität geben Utraschall und Farbdoppler. Sie lassen erkennen, ob das Blutschwämmchen behandelt werden muss.

Eine Therapie verfolgt das vorrangige Ziel, das Wachstum des Hämangioms zu stoppen und seine Nebenwirkungen zu minimieren. Die komplette Entfernung ist zweitrangig, da sich die meisten Blutschwämmchen selbstständig zurückbilden. Welche der nachfolgend genannten Maßnahmen zur Anwendung kommen, bestimmen die Tiefenausdehnung und die Lokalisation des Hämangioms sowie die Erfahrung des behandelnden Arztes.

Behandlung mittels Kälte

Bei der so genannten Kryotherapie kommen elektrisch betriebene Geräte zum Einsatz, die Temperaturen von minus 30-40°C erzeugen. Sie wirken bis zu drei Millimeter in die Tiefe und legen das Hämangiom-Wachstum buchstäblich auf Eis.

Das gleiche Ergebnis erzielt flüssiger Stickstoff, der mit minus 196 Grad jedoch schnell auch umliegendes Gewebe schädigt – und daher unbedingt in erfahrene Hände gehört.

Behandlung mittels Laser

Bei dieser Therapieform entscheidet die Tiefe des Blutschwämmchens über die geeignete Laser-Art: Während ein gepulster Farblaser bis zu zwei Millimeter in die Haut eindringen kann, empfiehlt sich für tiefer liegende Hämangiome ein ND-Laser. Einzelheiten dazu erläutert der Therapeut seinen Patient/-innen unmittelbar vor der Behandlung.

Behandlung mittels Kortison

Bei segmentalen Hämangiomen haben Kälte-Anwendung und Laser-Therapie allein keinen Erfolg. Daher wird diese Art von Blutschwämmchen mit Kortison behandelt. Auf Grund zahlreicher Nebenwirkungen steht dieses Mittel jedoch schon seit längerer Zeit in der Kritik.

Behandlung mittels Propranolol

Eine Alternative dazu ist Propranolol. Das blutdrucksenkende Präparat kommt normalerweise bei der Behandlung von Herz-/Kreislauf-Erkrankungen zum Einsatz. Französische Forscher entdeckten eine Nebenwirkung auf Blutschwämmchen – und ließen ihren Verdacht durch klinische Studien bestätigen. Seither verdrängt Propranolol das bisher genutzte Kortison immer mehr.

Behandlung mittels Operation

Ein chirurgischer Eingriff an Blutschwämmchen wird nur selten durchgeführt. Sitzt das Hämangiom jedoch auf der behaarten Kopfhaut, wird es operativ entfernt. Auf diese Weise beugen Ärzte später entstehenden Kahlstellen vor.

Im Falle der Entwarnung ein einzigartiges Mal

Besteht keine Notwendigkeit, das Hämangiom behandeln bzw. entfernen zu lassen, verbleibt es als individuelles Merkmal auf der Haut. Betroffene bzw. ihre Eltern können dann selbst entscheiden, ob sie eine Korrektur vornehmen lassen möchten – zum Beispiel, weil das Blutschwämmchen die Körperpflege stört oder unästhetisch wirkt.

Viele Kinder entwickeln jedoch ein fast liebevolles Verhältnis zu ihrem Hämangiom und nehmen daran oft weniger Anstoß als die Umwelt. Ein geplanter Eingriff sollte sich daher immer an den Bedürfnissen der Kleinen orientieren – und keinesfalls daran, ob sich andere an dem Blutschwämmchen stören.