Raupendermatitis: Online-Diagnose & Therapie von Hautärzten

Auf einmal juckt es im Nacken, am Hals oder zum Beispiel an den Armen. Die entsprechenden Hautstellen sind gerötet und erste Schwellungen und Bläschen entwickeln sich. Dies könnten die Symptome von einem Insektenstich sein. Oder auch nicht. Denn Symptome dieser Art deuten auch auf Raupendermatitis hin, die durch den Kontakt mit feinen Raupenhärchen entstehen können. Von unserem in Heidelberg ansässigen Dermatologen Dr. Titus Brinker erfahren Sie alles Wissenswerte über Ursache, Diagnose und Behandlung einer so bezeichneten Raupendermatitis. Über unsere Startseite können Sie individuelle Handyfotos an einen Hautfacharzt aus Heidelberg schicken, der in kürzester Zeit eine fachliche Einschätzung gibt.

Juckender Ausschlag bei Raupendermatitis am Hals eines Patienten.

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Was genau ist eine Raupendermatitis?

Bei einer Raupendermatitis – im Fachjargon als Erucismus bezeichnet – kommt es durch den Kontakt mit den Nessel- bzw. Brennhaaren bestimmter Raupenarten zu einer Erkrankung der Haut (hier: Dermatose). Als Auslöser der allergischen Hautreaktion fungiert dabei das in den Nesselhaaren folgender Schmetterlings- bzw. Raupenarten vorkommende Protein Thaumetopoein:

  • Bärenspinner
  • Eichenprozessionsspinner
  • Fleckenfalter
  • Goldafter
  • Kieferprozessionsspinner
  • Pinienprozessionsspinner

Aktiv sind die Raupen in der warmen Jahreszeit; insbesondere in den Monaten Mai bis August. In Mitteleuropa wird die Raupendermatitis in erster Linie von den Eichenprozessspinnern (Thaumetopoea processionea) übertragen.

Die Brennhärchen der Raupen als Auslöser

Die Brennhärchen der Raupen dienen eigentlich als Fressschutz vor den natürlichen Feinden. Bei ihrer Wanderung durch das Gehölz verlieren die Raupen eine beträchtliche Anzahl der feinen Härchen. Diese schweben dann in der Luft, verteilen sich im Unterholz oder haften sich direkt an Bäumen oder großen Sträuchern und Pflanzen. Dort können Sie mehrere Jahre verharren. Zudem kommt es auch immer wieder vor, dass die Härchen am Fell von Tieren bzw. Haustieren haften bleiben. Somit werden die giftigen Härchen sogar vom eigenen Hund oder der eigenen Katze in den Wohnbereich verschleppt. Gebildet werden diese feinen Härchen meistens Mitte Mai im Rahmen des dritten Larvenstadiums. Bis Ende Juni entwickelt sich die Raupe dann voll. Zu dieser Zeit verfügt sie über etwa einer halben Million Brennhaare.

Die Brennhaare weisen eine Länge von etwa zwei bis drei Millimeter auf und verfügen über kleine Widerhaken, mit denen Sie an Objekten oder etwa der Haut haften bleiben. Das Nesselgift Thaumetopoein wird erst dann freigesetzt, wenn diese Widerhaken brechen. Daraufhin kommt es zu einer expliziten Immunreaktion im Körper. So wird dann sofort Histamin und weitere Kinine ausgeschüttet, was anschließend eine ganze Kette allergischer Hautreaktionen auslöst, was letztendlich in der Raupendermatitis gipfelt. Zur Erklärung: Als Kinine werden biologisch aktive Oligopeptide bezeichnet, die zu der Gruppe der Gewebshormonen zählen. Die wichtigsten Vertreter sind das Kallidin und das Bradykinin.

Welche Symptome werden durch die Raupendermatitis hervorgerufen?

Durch den Kontakt mit den Härchen kommt es beim Menschen dann zu einer meistens stark juckenden Dermatitis toxisch-irritativer Natur. Hinzu kommen Reaktionen wie zum Beispiel Asthmabeschwerden, Bronchitis, eine Rachenentzündung (Pharyngitis), eine chronische oder akute Entzündung der Bindehaut oder sogar zur Nesselsucht (Kontakturtikaria). Diese Entwicklung ist aber nur dann möglich, wenn zum Beispiel Ihre Augen mit den Brennhärchen in Verbindung kommen (hier: Bindehautentzündung) oder Sie die Härchen einatmen (hier: Atemnot, Bronchitis, Schleimhautreizungen). In einigen Fällen ist es auch zu anaphylaktoiden Reaktionen – also allgemeinen Unverträglichkeitsreaktionen – gekommen. In seltenen Fällen ist auch schon ein anaphylaktischer Schock aufgetreten.

Dies sind die typischen Symptome einer Raupendermatitis:

  • insektenstichartige Hautschwellungen.
  • Quaddeln und Papeln
  • Juckreiz in unterschiedlicher Ausprägung
  • rote Flecken auf der Haut
  • Schüttelfrost
  • Fieber
  • Atemnot

Wie schnell treten die jeweiligen Symptome auf?

Bereits kurze Zeit – in der Regel innerhalb von 24 Stunden – nach Ihrem Kontakt mit den Brennhärchen der Raupen treten in der Regel die ersten Symptome auf. Dabei entwickeln sich Entzündungen auf der Haut in Form von juckenden Knötchen. Diese ersten Symptome erinnern stark an Insektenstiche. Außerdem bilden sich mitunter stark brennende Papeln und Quaddeln. Insgesamt ist das betroffene Hautareal stark gerötet und zeigt deutliche Entzündungserscheinungen. Treten Symptome dieser Art auf, sollten Sie sie umgehend behandeln. Denn in vielen Fällen entwickelt sich aus einer Raupendermatitis eine akute Nesselsucht (hier: Urtikaria). Eine solche akute Nesselsucht dauert vom Verlauf her in der Regel nur wenige Tage.

Welche Körperstellen sind besonders von der Raupendermatitis betroffen?

Unbedeckte Hautstellen sind grundsätzlich gefährdet. Daher kommt es gerade im Nackenbereich, am Hals, im Gesicht, den Armen und den Beinen (bei kurzen Hosen) zu einem Kontakt mit den feinen Härchen. Sie sollten sich auf gar keinen Fall an den betroffenen Stellen kratzen. Denn dadurch laufen Sie Gefahr, dass Sie die feinen Nesselhärchen weiter auf die umliegenden Hautstellen verteilen. Dann bilden sich auch an diesen Stellen Entzündungen respektive allergische Reaktionen.

Wann müssen Sie bei einer Raupendermatitis zwingend zum Arzt gehen?

Grundsätzlich müssen Sie bei einer normal verlaufenden Raupendermatitis nicht zwingend eine ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen. Wie bereits zuvor erwähnt, heilt die allergische Hautreaktion von alleine nach maximal zwei bis drei Wochen aus. Sind die Beschwerden in dieser Zeit aber zu stark oder sind die Symptome der Raupendermatitis auch noch nach drei Wochen nicht verschwunden, sollten Sie Ihrem Hausarzt auf jeden Fall einen Besuch abstatten. Gerade wenn die allergische Hautreaktion einhergeht mit Atembeschwerden oder zum Beispiel mit Fieber ist ein Arztbesuch dringend zu empfehlen. Kommt es durch Atembeschwerden oder ähnlichen Problemen zu einem akuten Notfall, können Sie auch den Notarzt rufen oder direkt im Krankenhaus vorstellig werden.

Welche Aspekte sind bei der Diagnose zu beachten?

Es gibt drei besondere Aspekte, die auf eine Raupendermatitis schließen lassen. Zum einen ist dies die sichtbare allergische Hautreaktion und zum anderen spielen die bestehende Jahreszeit und der Aufenthaltsort (vielleicht bekannt für Raupenbefall) eine entscheidende Rolle bei der Diagnose. Erschwert wird diese allerdings dadurch, dass nicht bei allen Betroffenen bzw. Patienten die gleichen allergischen Hautreaktionen auftreten. So leiden einige von der Raupendermatitis betroffenen Patienten insbesondere über auffällige rote Knötchen, während die entzündeten Hautareale von anderen Betroffenen zum Beispiel strichförmige Hautentzündungen aufweisen. In der Regel bleiben diese Entzündungen mindestens mehrere Tage, manchmal aber sogar bis zu 14 Tagen bestehen.

Da es neben den für eine Raupendermatitis typischen Entzündungen und Hautveränderungen noch weitere begleitende Merkmale gibt, untersucht der behandelnde Arzt im Rahmen der Diagnostik auch einen etwaigen Befall des Mund-Nasen-Rachenraums sowie der Augen. So kann er feststellen, ob Sie in Folge der Raupendermatitis auch unter einer Schleimhautreizung, Bronchitis oder einer Bindehautentzündung leiden. Bleibt die Raupendermatitis unbehandelt, heilt sie in der Regel nach rund zwei bis drei Wochen ab.

Wie wird eine Raupendermatitis behandelt und therapiert?

Bei einer akuten Raupendermatitis erfolgt die medizinische Behandlung stets rein symptomatisch. Zum Einsatz kommen dabei kortisonhaltige Cremes und Salben. Mit diesen reiben Sie die von den allergischen Reaktionen betroffenen Körperstellen über einen Zeitraum von zumeist mehreren Tagen sorgfältig ein. Ziel dieser Behandlung mit Salben und Cremes ist es, dass der nervende und teilweise quälende Juckreiz gelindert wird. Außerdem bekämpfen die Inhalts- und Wirkstoffe die allergischen Hautveränderungen, die durch die Ausschüttung von Histamin entstanden sind. Beachten Sie dabei aber im Hinblick auf die Selbstmedikation, dass lokale Corticoid Cremes erst bei Kindern ab sechs Jahren genutzt werden dürfen.

Zusätzlich sollten Sie für eine Kühlung der entzündeten Hautareale sorgen. Das mindert den Juckreiz und unterstützt die Abheilung der allergischen Hautveränderungen. Leiden Sie neben den charakteristischen Symptomen zum Beispiel auch über Fieber, Schüttelfrost und allgemeinem Unwohlsein verschreibt Ihnen der behandelnde Arzt meistens zudem ein kortisonhaltiges Medikament, das Kortikosteroide (wirkt entzündungshemmend) und Antihistaminika (wirkt als Histamin-Rezeptorblocker) beinhalten. Dadurch wird die durch die Nesselhärchen bzw. durch das Histamin aktivierte Immunreaktion des Körpers gedämpft. Liegt bereits eine Bindehautentzündung vor, kommen antiseptische Augentropfen zum Einsatz. Bei Problemen mit den Atemwegen haben sich bronchienerweiternde Mittel wie Betasympathomimetka oder auch steroidhaltige Dosieraerosole bewährt.

Welche Komplikationen können bei der Behandlung mit Medikamenten auftreten?

Wenn Sie mit Medikamenten behandelt werden, sind Nebenwirkungen respektive Komplikationen nicht ausgeschlossen. Gerade Medikamente wie Kortikosteroide oder auch Antihistaminika können hier Probleme bereiten. So sind zum Beispiel Muskel- und Gliederschmerzen, Magen-Darm-Probleme oder auch Kopfschmerzen typisch für Medikamente dieser Art. In Einzelfällen ist es insbesondere bei kranken und älteren Menschen sowie bei Kindern zum Kreislaufkollaps gekommen.

Unterschätzen Sie in diesem Zusammenhang auch nicht die mögliche Wechselwirkung, wenn Sie neben der Einnahme von entsprechenden Medikamenten gegen die Raupendermatitis zudem noch andere Medikamente einnehmen. Dadurch können allergische Reaktionen entstehen, die Ihre Beschwerden noch weiter verschlimmern bzw. verstärken.

Wie können Sie selbst die Heilung unterstützen?

Sie können neben der Behandlung durch einen Arzt aber zusätzlich auch selbst aktiv werden, um die Symptome zu lindern und die Krankheitsdauer zu verkürzen. Haben Sie beim Auftreten der ersten Symptome den Verdacht, dass Sie mit Raupenhärchen in Kontakt gekommen sind, sollten Sie sofort duschen und sich alle Nesselhärchen von der Haut abwaschen. Dabei sollten Sie alle Körperpartien, die nicht von Ihrer Kleidung geschützt wurden, mit Wasser und Seife gründlich reinigen. Dadurch verhindern Sie, dass die immer noch anhaftenden Reste der Härchen auch auf andere Körperregionen übertragen werden.

Da eben auch eine Bindehautentzündung als Begleiterscheinung einer Raupendermatitis auftreten kann, ist es wichtig, dass Sie auch Ihre Augen sorgfältig mit Wasser ausspülen. Zudem ist es empfehlenswert, dass Sie die zuletzt getragenen Kleidungsstücke bei mindestens 60 Grad waschen. Um die Nesselhärchen von den Schuhen zu entfernen, können Sie Klebestreifen benutzen.

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