Ulcus cruris (offenes Bein): Ursachen, Diagnose, Therapie & Prognose

Es beginnt mit einer anfänglich kleinen Verletzung am Unterschenkel, am Fußknöchel oder am Zeh. Häufig ist nicht einmal eine äußerlich zugefügte Verletzung sichtbar. Eine tiefe Wunde scheint sich hier plötzlich ohne Grund zu entwickeln. Der Erkrankungsprozess führt dabei vor allem zu einer Wundform, die nicht mehr heilt, so dass sich ein geschwürartiger Wundbereich immer weiter ausdehnt. Tatsächlich trägt der medizinische Fachausdruck bei dieser Erscheinung den lateinischen Begriff für Geschwür in seinem Namen. Der Ulcus – das Geschwür – betrifft den Schenkel – crus. Ulcus cruris heißt auch offenes Bein. Diese Erkrankung ist eine gefährliche Komplikation bei Durchblutungsstörungen, die zu Folgeinfektionen und zu absterbendem Gewebe mit der potentiellen Notwendigkeit einer Amputation führen kann.

Bild: Ulcus cruris (offenes Bein) am Unterschenkel einer Patientin.

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Was ist ein Ulcus cruris und welche Symptome hat die Erkrankung?

Die Beschreibung „offenes Bein“ gibt einen deutlichen Eindruck von der Erkrankung: Eine Wunde entsteht und schließt sich nicht mehr. Dabei verläuft die Wundentwicklung feucht und geht sehr in die Tiefe. Die Wunde nässt und sondert eine klare, teilweise auch schleimige Flüssigkeit ab. Bis zum Knochen kann die Wunde tief sein. Durch die austretende Flüssigkeit werden umgebende Hautbereiche aufgeweicht. Beginnt die Wundbildung am Knöchel, breitet sie sich oft einmal um das gesamte Bein aus, was als „Galosche“ bezeichnet wird. Je nach Art des Ulcus und seiner Ursache treten Spannungsgefühle und Schmerzen auf. Kältegefühle und eine auffallende Blässe der Haut können ebenso hinzutreten wie bräunliche Verfärbungen um die Wunde herum. Nicht oder unsachgemäß behandelt verursachen Krankheitserreger am Ulcus cruris zusätzliche Infektionen und Entzündungen. Auch Ekzeme an der Haut können durch eine eigenmächtige Behandlung mit ungeeigneten Salben oder Cremes ausgelöst werden. Ekzeme sind juckende, entzündliche Hauterkrankungen, die durch einen Reiz von außen ausgelöst werden. Beim Ulcus cruris hat man es mit einem Kontaktekzem durch in Salben und Cremes enthaltene Wirkstoffe zu tun. Die betroffenen Hautstellen jucken nicht nur, sie brennen und röten sich auch.

Die Ursachen des Ulcus cruris?

Ein Ulcus cruris wird durch Durchblutungsstörungen ausgelöst. Je nachdem, in welchen Gefäßen – Arterien oder Venen – die Durchblutungsstörungen angesiedelt sind, unterscheidet man die beiden Hauptformen des offenen Beins: Ulcus crurisarteriosum und den Ulcus cruris venosum.
Daneben gibt es noch eine Mischform, bei der sowohl Beinarterien als auch Beinvenen eine gestörte Durchblutung aufweisen: Ulcus cruris mixtum.
Außerdem können Durchblutungsstörungen im unteren Bein auf seltene bösartige Gewebsneubildungen und Wucherungen zurückgehen: Ulcus cruris neoplasticum

Was ist eine Durchblutungsstörung?

Eine Durchblutungsstörung ist dadurch gekennzeichnet, dass das Blut nicht mehr wie vorgesehen zügig durch Venen und Arterien fließt, sondern sich nur noch stockend und langsam in den Gefäßen bewegt. Dies kann in den Venen zum Beispiel durch eine allgemeine Venenschwäche hervorgerufen werden. Gerade das venös bedingte offene Bein ist sehr häufig und kann sich weit ausbreiten, bis schließlich vom Unterschenkel an auf- und abwärts das ganze Bein von der Wunde des Ulcus cruris erfasst wird. Im Bereich der Arterien kann es zu Gefäßverschlüssen aller Art kommen. Häufig sind hier die Zehen und Füße von dem Ulcus cruris betroffen. Alle Durchblutungsstörungen haben in der Regel tiefergehende Ursachen.

Bei der Venenschwäche sind häufig Krampfadern als Venenfunktionsstörungen Vorboten einer ausgeprägten Venenschwäche. Sie führen unbehandelt zum Blutstau in den Venen und zu Schwellungen (Ödemen) im umliegenden Gewebe durch eindringendes Wasser. Verhärtet sich das Bindegewebe durch die Ödeme, kommt es zu einer Unterversorgung der betroffenen Gewebsschichten mit Sauerstoff und Nährstoffen. Dies ist häufig der Beginn für die Ausbildung eines offenen Beins. Die Verstopfung einer Vene durch ein Gerinnsel (Thrombose) kann eine eigene Ursache für einen Ulcus setzen.
Arterien verstopfen häufig durch Kalk oder andere Ablagerungen, die zum Beispiel bei Rauchern verstärkt in den Gefäßen freigesetzt werden. Auch zu hohe Blutfettwerte und Bluthochdruck können zu vermehrten Ablagerungen sowie Verhärtungen in den Arterien führen. Diese können sich zu einem Ulcus cruris entwickeln. Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) bildet einen eigenen großen Risikofaktor für die Ausbildung eines offenen Beins. Sie führt zu einer stärkeren Verkalkung der Gefäße. Außerdem sind vielfach mit ihr Nervenschädigungen vor allem in den Füßen verbunden. Diese führen vermehrt zu Wunden, die durch die fehlende Empfindungsfähigkeit in den Extremitäten oft zunächst nicht von den Betroffenen wahrgenommen werden – bis eine große, offene Wunde entstanden ist. Bei der Zuckerkrankheit ist die Wundheilung außerdem allgemein verlangsamt und gestört.

Die Diagnose des Ulcus cruris

Das offene Bein ist für den Arzt in der Regel auf den ersten Blick erkennbar. Es geht aber bei der Diagnosestellung auch darum, die Ursache für den Ulcus cruris zu erkennen, um die Durchblutungsstörung im Idealfall zu beseitigen. Mit einer Dopplersonografie – einer speziellen Ultraschalluntersuchung – lässt sich die Situation in den Gefäßen gut erkennen und bildlich sichtbar machen. Je nach vermuteter Ursache für das offene Bein kommen Blutuntersuchungen, Röntgen, Wundabstriche und Gewebeentnahmen hinzu.

Die Behandlung eines Ulcus cruris

Die Behandlung des offenen Beins fordert den Arzt. Er wird versuchen, den Blutfluss wieder zu aktivieren, die Wundheilung anzuregen und Folgeinfektionen der Wunde auszuschließen. Über allem steht die Sorge, dass Gewebe absterben könnte. Da meist ältere Menschen von einem Ulcus cruris betroffen sind, ist es oft nicht leicht, die Therapietreue der Patienten zu gewährleisten. Das gilt besonders, wenn sich die Behandlung über Wochen und Monate hinzieht, was nicht selten der Fall ist.
Neben Kompressionsverbänden, die durch Druck den Blutfluss anregen und von dem Betroffenen selbst oder dem Arzt ständig gewechselt werden müssen, ist die Mitarbeit sowie angeleitete Initiative der Patienten gefragt. Körperliche Bewegung sorgt für eine verstärkte Durchblutung und wird vom Arzt eingefordert. Der Arzt muss die offene Wunde regelmäßig reinigen und desinfizieren. Spezielle Auflagen sollen feucht die Hautregeneration fördern. Die bio-enzymatische Wundreinigung mit Fliegenlarven hat sich ebenfalls bewährt, weil sich die Larven von absterbendem Gewebe ernähren und so die Wunde sauber halten können. In manchen Fällen bleibt als letzte Möglichkeit nur ein chirurgischer Eingriff, um die Durchblutung wiederherzustellen. Dabei kann es im schlimmsten Fall zur Vermeidung einer Sepsis (schwere Entzündungsreaktion mit Organversagen) bei absterbendem Gewebe zur Amputation kommen. Von der medikamentösen Seite her können Antibiotika, Kortison und sogenannte Wachstumsfaktoren bei Ulcus cruris ergänzend zum Einsatz kommen. Letztere können besonders die Wundheilung an sich unterstützen.

Ein Ulcus cruris gehört immer in die Hände erfahrener Mediziner. Es handelt sich um eine schwere Erkrankung, die mit schwerwiegenden Folgen einhergehen kann. Die reine Selbstbehandlung scheidet aus, denn sie verschlimmert mit untauglichen Mitteln die Erkrankung in den meisten Fällen. Vor allem muss eine Behandlung beim Ulcus cruris möglichst zeitnah beginnen, um eine günstige Prognose zu erreichen.

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