Dermographismus – was ist das?

Dermographismus tritt in unterschiedlichsten Formen auf, die von harmlosen Hautreaktionen auf mechanische Einflüsse bis hin zur physikalischen Nesselsucht reichen. Die Diagnostik ist ausgesprochen wichtig, um eine geeignete Behandlungsstrategie zu entwickeln.

Bild: Dermographismus hier bei einer Patientin mit Nesselsucht (Urtikaria factitia)

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↓ Symptome
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Dermographismus – worum handelt es sich dabei genau?

Streichen Sie mit den Fingernägeln über Ihre Haut, reagiert diese entweder mit einer weißen oder eine rosafarbene Spur: Genau dieses Echo auf eine mechanische Hautreizung wird als Dermographismus bezeichnet. Allerdings bleiben die Folgen nicht immer so harmlos, so der erfahrene Heidelberger Dermatologe Dr. Titus Brinker. Insbesondere die physikalische Nesselsucht ist ausgesprochen unangenehm: Die Haut reagiert mit Juckreiz und Quaddeln auf unterschiedlichste physikalische Reize – hier ein Überblick.

Der aus dem Griechischen stammende Begriff lässt sich am besten mit „Hautschrift“ oder „Hautzeichnung“ übersetzen, was die sichtbare Hautreaktion auf mechanische Reize gut umschreibt:

Normaler Dermographismus

Sie kennen sicher den Dermographismus ruber, also den typischerweise den roten Streifen, der sich nach einer Reizung der Haut mit einem Holzspatel oder stumpfen Stift entwickelt. Der aufgenommene Reiz wird über die Nerven weitergegeben und löst eine Erweiterung der Blutgefäße aus. Diese Hautreaktion ist vollkommen normal und klingt bereits nach kurzer Zeit wieder ab.

Dermographis albus

. Abweichend von dieser normalen Reaktion gibt es auch den Dermographismus albus – es bildet sich demnach nach der Rötung eine weiße Zeichnung auf der Haut ab. Dies ist bevorzugt der Fall, wenn der Betroffene zur Atopie, also Neurodermitis oder Allergien, neigt. Die Blutgefäße reagieren nämlich nicht mit einer Erweiterung, sondern mit einer Verengung. Diese Reaktion zählt zu den atopischen Stigmata und gibt bereits einen Hinweis auf die Neigung zu allergischen Hautreaktionen.

Urtikarieller Dermographismus

Eine weitere und deutlich schwierigere Form ist der urtikarielle Dermographismus, bei dem sich wegen einer verstärkten Ausschüttung von Histamin flüssigkeitsgefüllte erhabene Quaddeln (Urtika) bilden. Die Quaddel selbst ist strichförmig, die umgebende Haut meist gerötet. Allerdings bleibt die Quaddelbildung auf den Bereich der mechanischen Reizung beschränkt, auch ein weiteres Ausbreiten ist nicht zu befürchten. Unter dieser Form des Dermopgraphismus leiden vor allem von Nesselsucht betroffene Menschen, auch wenn es abweichende Einzelfälle gibt.

Dermographismus niger

Eine weniger bedeutende Form ist der Dermographismus niger, der eigentlich nicht in diese Gruppe zählt. Es handelt sich um die dunkle Verfärbung der Haut, die beispielsweise durch Schmuckstücke verursacht werden kann. Im Prinzip handelt es sich um feinen Metallabrieb auf der Haut und nicht um eine Erkrankung.

Die wichtigsten Symptome des urtikariellen Dermographismus

Typisch ist, dass die physikalische Nesselsucht durch äußere Einflüsse ausgelöst wird: Die Haut reagiert mit juckenden Quaddeln in dem Bereich, der dem Reiz ausgesetzt ist. Zunächst ähnelt der urtikarielle Dermographismus also einer Allergie, allerdings handelt es sich nicht um eine solche. Schwierig ist, dass weder die Krankheitsdauer noch die Intensität vorhersehbar sind, da es zahlreiche Arten gibt. Grundlegend werden sechs unterschiedliche Typen unterschieden:

Reibungs-Nesselsucht

Diese Urticaria factitia wird auch als symptomatischer Dermographismus bezeichnet und stellt die am weitesten verbreite Form der physikalischen Nesselsucht dar: Rund zwei bis vier Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an diesem Krankheitsbild. Auslöser und Ausmaß können variieren, in der Regel reicht schon ein leichtes Reiben, Kratzen, oder Scheuern aus. Im Extremfall kann schon ein T-Shirt, das auf der Haut aufliegt, die juckenden Quaddeln und Rötungen verursachen.

Druck-Nesselsucht

Wird die Haut belastet, schwillt die Haut an – meist auf dem Rücken, an den Fußsolen oder auf den Handinnenflächen. Die Reaktion auf Druck erfolgt oft schon nach kurzer Zeit, kann sich aber auch über mehrere Stunden hin verzögern. Meist heilt diese bevorzugt untr Männern verbreitete Form des Demographismus nach sechs bis neun Jahren selbstständig aus.

Kälte-Nesselsucht

Sobald die Betroffenen mit kalter Luft, kalten Gegenständen oder Flüssigkeiten in Berührung kommen, erleiden die Betroffenen Schwellungen von Haut und Schleimhäuten und Quaddelschübe. Die Intensität ist ebenfalls unterschiedlich ausgeprägt, bei einigen Erkrankten löst schon der Verdunstungsfilm, den Schweiß auf der Haut bildet, einen Schub aus. Diese Form des Dermographismus kann durchaus lebensgefährlich sein, wenn beispielsweise bei einem Sprung in kaltes Wasser übermäßig viel Histamin freigesetzt wird. Die Quaddeln zeigen sich schon nach wenigen Minuten, manchmal aber auch erst dann, wenn sich die Hautstelle erwärmt, und halten wenigstens 30 Minuten an.

Wärme-Nesselsucht

Diese seltene Form des Dermographismus äußert sich mit Quaddelbildung an Hautstellen, die mit einer Wärmequelle in Kontakt kommen. In der Regel lösen Temperaturen zwischen 38 und 56 Grad Celsius eine solche Reaktion aus.

Licht-Nesselsucht

Auch diese Variante ist sehr selten, sie schränkt das Leben der Betroffen stark ein: Quaddeln bilden sich überall dort, wo Licht auf die Haut trifft. In der Regel sind es die UV-A-Strahlen, die zur Reaktion führen, seltener die UV-B-Strahlen.

Die Möglichkeiten der Therapie

So vielfältig der Dermographismus auftreten kann, so individuell muss die Behandlung erfolgen:

  • Eine Reibungs-Nesselsucht kann beispielsweise mit Antihistaminika behandelt werden, wobei der auslösende Reiz weitest möglich zu vermeiden oder zumindest zu verringern ist.
  • Die Druck-Nesselsucht lässt sich nur schwer medikamentös behandeln, ein Spezialist wird eventuell Antihistaminika in hoher Dosierung oder kortisonhaltige Salben und Cremes testen, um die Beschwerden zu lindern. Diese Behandlung kann nur zeitlich begrenzt erfolgen, da sonst Nebenwirkungen zu befürchten sind. Auch hier ist das Vermeiden der Reize ein probates Mittel, indem beispielsweise gepolsterte Sitzflächen, Möbel oder Schuhe verwendet werden.
  • Bei einer Kälte-Nesselsucht ist es wichtig, die starken und plötzlichen Kältereize, die im Extremfall einen Schock verursachen können, zu vermeiden. Betroffene sollten stets ein Notfall-Set und den Notfallpass dabeihaben, um behandelnden Ärzten die wichtigen Hinweise auf die drohenden Folgen einer Unterkühlung zu vermitteln. Sollte die Kälte-Nesselsucht als Begleiterscheinung oder in Folge einer anderen Erkrankung ausgebrochen sein, muss natürlich die Primär-Erkrankung ebenfalls behandelt werden. Ist die Ursache für den Ausbruch unklar, kann eine Therapie mit Antibiotika, meist Penicillin oder Doxycyclin, helfen. Darüber hinaus können Antihistaminika und weitere Medikamente für Linderung sorgen.
  • Gegen die Wärme-Nesselsucht hilft nur eines: auslösende Reize vermeiden und bei Bedarf Antihistaminika.
  • Der Licht-Nesselsucht kann nur mit einem ausreichenden Lichtschutz begegnet werden. Im Laufe der Zeit und vor allem unter ärztlicher Aufsicht lässt sich die Haut sukzessive wieder an die Sonnenstrahlen gewöhnen.