Kleieflechte (Pityriasis versicolor) – Ursachen, Symptome & Therapie

Bräunliche Flecken auf der Brust, den Schultern oder im mittleren Rückenbereich sind oft ein Anzeichen einer Pilzerkrankung. Hier macht sich die Kleieflechte besonders gerne breit. Auch ein dezenter Juckreiz kann an den betroffenen Stellen spürbar sein. Wie sich die unschönen Veränderungen der Haut am besten behandeln lassen und wie Sie der Kleieflechte vorbeugen können, verrät der Hautarzt Dr. Titus Brinker.

Bild: Wenig schuppende, groß- und kleinflächige Flecken kennzeichnen die Pityriasis versicolor.

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Was genau ist eine Kleieflechte?

Bei der Kleieflechte, im Lateinischen Pityriasis versicolor genannt, handelt es sich um eine relativ harmlose Erkrankung der Haut. Verursacht wird sie durch Malassezia furfur, einem Hefepilz. In der Fachsprache ist dieser als Pityrosporum ovale bekannt und befällt in erster Linie junge Erwachsene. Circa 1 bis 4 Prozent aller erwachsenen Menschen in Mitteleuropa sind von einer Pityriasis versicolor betroffen. Sehr viel weiter verbreitet ist sie hingegen in den tropischen Regionen der Erde. Aktuellen Daten zufolge haben hier bis zu 40 Prozent der Bevölkerung unter einer Kleieflechte zu leiden.

Wodurch wird die Kleieflechte ausgelöst?

Verantwortlich für eine Pityriasis versicolor ist der Hefepilz Malassezia furfur. Er ist von Natur aus in den so genannten Haarfollikeln des Menschen zu finden. Bei dem Haarfollikel oder auch Haarbalg handelt es sich um eine längliche Einstülpung der oberen Hautschicht, in der sich der Schaft des Haares befindet. Am unteren Ende dieser Einstülpung wird das Haar in der Haarwurzel (Radix pili) gebildet. Im mittleren Bereich mündet bei jedem Follikel eine Talgdrüse, bei manchen zudem eine Duftdrüse. Von den Fettsubstanzen im Talg ernährt sich der Hefepilz Malassezia furfur, was aber unter normalen Bedingungen noch keine Probleme wie etwa Veränderungen der Haut hervorruft.

Je mehr Fett für den Hefepilz in der Follikel verfügbar ist, desto schneller kann er wachsen. Ist es darüber hinaus auch noch warm und feucht auf den entsprechenden Partien der Haut, sind die Bedingungen für den Pilz optimal und das Wachstum der Flechte beschleunigt sich rasant. Infolgedessen wandert er schließlich auch aus den Follikeln heraus und wird auf den angrenzenden Regionen der Haut sichtbar.

Wer also z. B. aufgrund einer Veranlagung zu einer etwas fettigeren Haut oder starkem Schwitzen neigt, hat ein erhöhtes Risiko. Auch Menschen, die regelmäßig Cremes und andere Lotionen benutzen, sind schneller mit einer Pityriasis versicolorkonfrontiert. Doch es sind nicht nur die körperlichen Eigenschaften, die ein stärkeres Pilzwachstum befördern. Ein Problem kann darüber hinaus auch Kleidung aus synthetischen Stoffen sein. Der Schweiß kann hier nämlich nicht so schnell verdunsten wie bei Naturfasern. Das begünstigt ein feucht-warmes Klima auf der Haut und damit auch das Wachstum von Pilzen.

Typische Symptome der Kleieflechte

Die ersten sichtbaren Symptome einer Pityriasis versicolor sind zunächst die so genannten Pilzrasen. Sie bilden sich in der direkten Umgebung der Follikelöffnungen. Auf der Hornschicht der Haut machen die Pilzrasen sich durch ihre bräunlich wirkende Farbe bemerkbar. Der zuvor noch völlig harmlose Bewohner unserer Haarfollikel wird auf diese Weise zu einem Krankheitserreger.

Um den Pilzrasen in diesem frühen Stadium bereits mit bloßem Auge erkennen zu können, muss man allerdings noch sehr genau hinsehen. Die dunklen Umrandungen vereinzelter Haare sind nämlich zunächst sehr klein. Nach einiger Zeit zeigen sie sich jedoch an mehr und mehr Follikeln und die Größe der streng begrenzten, braunen Flecken wächst auf einen Durchmesser von mehreren Millimetern, bis hin zu einem Zentimeter. Da die Haare sehr dich beieinander stehen, verschmelzen die einzelnen Pilzrasen sehr bald miteinander und es entstehen großflächige dunkle Flecken mit unregelmäßiger Form. Farblich können die befallenen Stellen zwischen einem hellen Braun, einem rötlichen und einem gelblichen Braun variieren. Ein weiteres Merkmal ist die leichte Schuppung an der Oberfläche. Diese erinnert in ihrer Struktur an Kleie, woher die Kleieflechteschließlich ihren Namen hat.

Am häufigsten tritt die Pityriasis versicolor am Oberkörper auf. Hier befinden sich vor allem im mittleren Teil von Brust und Rücken überdurchschnittlich viele Talgdrüsen. Hin und wieder sind die charakteristischen Veränderungen der Haut aber auch an den Flanken des Rumpfes, im Nacken und auf den Schultern festzustellen. Sogar vor den Innenseiten der Oberarme und -schenkel macht der Kleiepilz nicht Halt. Ein sehr leichter Juckreiz kann bei der Pityriasis versicolor auftreten. In den meisten Fällen bleiben die Betroffenen davon jedoch verschont.

Ein besonderer Effekt tritt zutage, wenn man sich in der Sonne bräunt oder das Solarium besucht. Hier können nur die gesunden Partien der Haut das UV-Licht aufnehmen. Die Stellen, an denen die obere Hautschicht bereits vom Pilzrasen bedeckt ist, wird in dem Fall nicht gebräunt, da die Pigmente des Kleiepilzes die Strahlung abhält. Zusätzlich produziert der Pilz eine spezielle Substanz. Diese verhindert, dass die hauteigenen Pigmentzellen, die so genannten Melanozyten, das Melanin-Pigment bilden können. Die zuvor noch dunkler wirkenden Pilzrasen erscheinen auf der gesunden und gebräunten Haut nun heller. Diese Eigenschaft spiegelt sich auch in dem Wort “versicolor” im Namen der Krankheit wider. Er stammt vom lateinischen “vertere”, was “drehen” bedeutet. “Color” steht für “Farbe.

Die Diagnose: So kann der Arzt eine Pityriasis versicolor erkennen

Um den Kleiepilz diagnostizieren zu können, findet zunächst eine optische Untersuchung statt. Mit dem bloßen Auge untersucht der Hautarzt die gefährdeten Hautpartien und versucht Anzeichen für einen sich ausbreitenden Kleiepilz zu finden. Dabei hält er auch die Augen nach anderen typischen Erkrankungen der Haut offen. Entdeckt er bei der Untersuchung Auffälligkeiten auf der Haut, nimmt der Arzt einen kleinen Holzspatel zu Hilfe und streicht damit vorsichtig über den potentiellen Pilzrasen. Die vom Kleiepilz verursachte Schuppung der Oberfläche wird dadurch besser sichtbar. Als nächstes wird ein transparenter Klebestreifen aufgedrückt und sofort wieder abgezogen. Einige Schuppen bleiben daran haften und können später analysiert werden. Dazu heftet der behandelnde Arzt den Klebestreifen auf einen Objektträger. Mit Hilfe einer Lauge werden die Schuppen schließlich eingeweicht, damit man die einzelnen Elemente des Pilzes besser unter einem Mikroskop erkennen kann.

Die Behandlung – was gegen Pityriasis versicolor am besten hilft

Wer unter der Kleieflechte leidet, muss sie mit einem Wirkstoff behandeln, der Pilze abtöten kann. Spezielle Lotionen oder Lösungen zum Einreiben der Haut werden deshalb in den meisten Fällen, in denen der Hefepilz diagnostiziert wurde, als erstes verschrieben. Zweimal pro Tag muss der Patient das Mittel auf die befallenen Hautpartien geben. Für gewöhnlich genügt diese mehrtägige Therapie bereits, um ein Abheilen der Pilzflechte zu erreichen.

Einige Menschen sind allerdings besonders anfällig für Pilzerkrankungen. Hier kann es unter Umständen passieren, dass sich nach einiger Zeit wieder neue Flecken bilden. Der an der Kopfhaut angesiedelte Hefepilz wandert dabei erneut zu den Follikeln am Oberkörper. Doch es gibt vorbeugende Maßnahmen, die diesen Prozess von vornherein unterbinden können. Zum Beispiel kann anstelle einer temporären auch eine dauerhafte Behandlung mit pilzabtötenden Wirkstoffen empfohlen werden. Hierfür eignen sich eigens dafür entwickelte medizinische Shampoos besonders gut.

Vorbeugende Maßnahmen: So verhindern Sie die Entstehung einer Pityriasis versicolor

Zusätzlich zur dauerhaften Bekämpfung der Pityriasis versicolor ist es ratsam, möglichst ungünstige Bedingungen für das Pilzwachstum zu schaffen. Dazu zählt unter anderem der Verzicht auf synthetische Textilien. Wer bislang häufig Kleidung Kunstfasern trägt, sollte im Sinne der eigenen Gesundheit auf luftigere Wäsche, zum Beispiel aus Baumwolle, umsteigen. Nicht minder wichtig ist regelmäßiges Duschen, nachdem man geschwitzt hat. Das gilt insbesondere an heißen Sommertagen, nach sportlichen Aktivitäten oder zum Beispiel im Anschluss an einen Saunagang. Auf die Verwendung von Cremes und Lotions im Oberkörperbereich sollten die Patienten, die anfällig für einen Kleiepilz sind, so weit wie möglich ganz verzichten.

Nur in extremen Fällen, wenn sich die Pityriasis versicolor besonders hartnäckig zeigt, können auch Tabletten zur Behandlung eingesetzt werden. Diese enthalten den Wirkstoff Itraconazol, der besonders stark gegen Pilze hilft.

Ein wichtiger Hinweis: Wer ungewöhnliche Flecken auf seiner Haut findet, kann nicht automatisch davon ausgehen, dass es sich dabei um eine Pityriasis versicolor handelt. Ähnliche Erscheinungsbilder können nämlich auch viele andere Ursachen haben. Lassen Sie die veränderten Stellen deshalb vor einer Behandlung vom Arzt untersuchen!

Eine mögliche Kleieflechte online begutachten lassen

Eine erste Einschätzung können Ihnen unsere Hautfachärzte auch online geben. Senden Sie einfach ein Foto, auf dem die mutmaßliche Kleieflechte möglichst gut zu erkennen ist. Unsere Hautfachärzte werden das Problem schnellstmöglich begutachten und Ihnen eine Empfehlung für die nächsten Schritte geben. Meist können Sie sich dadurch den Gang zum Arzt ersparen und sofort mit der am besten geeigneten Therapie beginnen.