Kontaktdermatitis – ein Problem, viele Namen, zahlreiche Ursachen

Die Überschrift deutet es schon an: bei dieser Krankheit wird es bunt. Zuerst auf der Haut, dann in der Patientenakte – denn wie die Kontaktdermatitis sich zeigt, wie der Arzt sie benennt und wodurch sie auslöst wird, ist vollkommen unterschiedlich. Nach der ersten allergischen Reaktion beginnt ein munteres Rätselraten, um die Ursache des Problems zu finden – dicht gefolgt von der Frage, wie sich Kontaktdermatitis in Zukunft vermeiden lässt.

Bild: Kontaktdermatitis nach Hautreizung mit Pflaster (um die Wunder herum).

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Was hilft bei Kontaktdermatitis?

Die Antwort darauf ist ebenso simpel wie sinnlos, denn sie lautet: Indem Patient/-innen das Allergen meiden. Doch die meisten Betroffenen wissen nicht einmal, dass sie allergisch sind – geschweige denn, welcher Stoff dafür verantwortlich ist. Sie verspüren nur einen unerträglichen Juckreiz und stellen fest, dass ihre Haut an einer bestimmten Stelle des Körpers stark gerötet ist.

Was mag da passiert sein? Vielleicht hat eine Mücke zugestochen. Die Schwellung, die sich innerhalb kurzer Zeit bildet, deutet jedenfalls darauf hin. Aber kann das überhaupt sein, wenn der / die Betroffene gar nicht draußen war und vielleicht sogar Schnee liegt? Und was, um alles in der Welt, sind das für merkwürdige Bläschen?

Spätestens jetzt wird klar, dass es sich nicht um die Reaktion auf einen Insektenstich handelt. Platzen die kleinen Blasen auch noch auf und beginnen zu nässen, wird ein Verdacht laut. Saß an dieser Stelle nicht die neue Uhr? Seltsam, dass sie einen Hautausschlag verursacht – wo der Verkäufer doch extra auf das nickelfreie Gehäuse verwiesen hat. Eben, damit es KEINE Kontaktdermatitis gibt…?!

Mögliche Ursachen

Die Uhr kann tatsächlich daran schuld sein, dass es zu einer derart beschriebenen Hautreaktion kommt. Doch offenbar ist der / die Betroffene nicht nur gegen Nickel allergisch, sondern zum Beispiel auch gegen Kaliumdichromat – jenen Stoff, der das Leder des Armbandes geschmeidig hält.

Vielleicht liegt die Ursache aber auch ganz wo anders, denn ebenso gut könnte die beschriebene Kontaktdermatitisdurch die Inhaltsstoffe von Nahrungs- und Genussmitteln oder Kosmetika ausgelöst worden sein. Die Quelle des Übels muss nicht zwangsläufig dort sitzen, wo sich die Hautreaktion zeigt. Sie kann auch einer anderen Stelle des Körpers entspringen und im Extremfall bereits versiegt sein.

Eine Kontaktdermatitis tritt unabhängig vom Ort ihrer Entstehung auf und wird manchmal erst nach 72 Stunden sichtbar.

Diese Umstände erschweren die Suche nach dem Auslöser zusätzlich, denn die Überreaktion kann zahlreiche Gründe haben. Zu den bekanntesten Ursachen einer Kontaktdermatitis zählen

– Bufexamac
– Chrom
– Cobalt
– Kaliumdichromat
– Nickel
– Parabene
– Paraphenylendiamin
– Perubalsam
– Wollwachs

Diese so genannten Allergene sind in vielen

– Schmuck- und Kleidungsstücken
– Pflege- und Kosmetikartikeln
– Wasch- und Lebensmitteln

enthalten.

Dem Übel auf der Spur

Um sich Gewissheit zu verschaffen, sollten Betroffene einen Dermatologen aufsuchen. Er kann eine bestehende Kontaktdermatitis auf verschiedenen Wegen bestätigen oder ausschließen.

Lass mal sehen

Häufig weist bereits die Lokalisation der Hautreizung auf die mögliche Ursache hin. Je nachdem, an welcher Körperstelle sie sitzt oder welche Form sie aufweist, ist der Übeltäter ziemlich schnell gefunden. So hinterlassen Uhren oder Armbänder häufig deutlich begrenzte Spuren auf der Haut – in denen sich manchmal sogar die Struktur des Gegenstandes abzeichnet.

Für ein und dieselbe Stelle können aber auch mehrere Auslöser in Frage kommen. Zeigt sich die Rötung zum Beispiel am Hals, kann sowohl Schmuck als auch Parfum oder Kleidung Träger des Allergens gewesen sein.

Wir müssen reden

Gespräche sind daher ein wesentlicher Bestandteil der Untersuchung. Sie liefern dem Arzt Anhaltspunkte dafür, was die Kontaktdermatitis ausgelöst haben kann und seit wann, wie oft und wie schnell Betroffene auf bestimmte Umstände reagieren.

Weitere wichtige Hinweise erhält der Arzt aus Informationen zu Jobs und Hobbys. Auch sie können Ursache der Hautreizung sein – weil Betroffene beim Arbeiten oder Basteln mit Chemikalien oder anderen bekannten Allergenen in Berührung kommen.

Auf alles gefasst

Die Ergebnisse dieser Befragung sind mitunter recht überraschend; vor allem dann, wenn sich herausstellt, dass die Allergene kein Novum im Leben der Patient/-innen bilden. Das ist dann der Fall, wenn wiederholter Kontakt zu einer Sensibilisierung führt – die Betroffenen den allergieauslösenden Stoff also über längere Zeit regelmäßig berühren.

Am bekanntesten ist diese Form der Kontaktdermatitis bei Friseur/-innen, weil sie täglich mit komplexen chemischen Verbindungen hantieren. Aber auch Bauhandwerker können eine solche Reizbarkeit entwickeln, da viele Werkstoffe Allergene enthalten, die auf Dauer eine Kontaktdermatitis begünstigen.

Am besten testen

Eine wirkliche Bestätigung bringt aber erst ein so genannter Provokationstest. Dabei werden die wahrscheinlichen Allergene in geringer Konzentration auf die Rückenhaut appliziert. Anhand ihrer Reaktion kann der Arzt sehen oder ausschließen, welche Stoffe die Kontaktdermatitis verursachen.

Je nachdem, welches Test-Verfahren zur Anwendung kommt, lässt es erkennen, ob das Allergen die Patient/-innen direkt oder indirekt reizt; d.h. ob Juckreiz, Rötungen und Bläschen unmittelbar nach dem Berühren auftreten oder ob sich die Kontaktdermatitis verzögert zeigt.

Pricktest

Hierbei tropft der Arzt die “üblichen Verdächtigen” direkt auf die Haut auf. Dementsprechend zeigt dieser Test eine unmittelbare Reaktion an.

Epikutantest

Hierfür stehen spezielle Pflaster zur Verfügung, die bis zu 72 Stunden aufliegen. Innerhalb dieser Zeitspanne prüft der Arzt mehrfach nach, wann eine Reaktion eintritt.

Alternative Antworten

Beide Test können ein ebenso überraschendes Ergebnis liefern wie das vorangegangene Gespräch. Mitunter reagiert die Rückenhaut nämlich auch gar nicht auf die künstlichen Reize – obwohl Hände, Gesicht oder andere Körperstellen Symptome einer Kontaktdermatitis erkennen lassen.

In einem solchen Fall haben Juckreiz, Rötungen und Bläschen oder Schuppen andere Ursachen. Mögliche Gründe für das optisch ähnliche Erscheinungsbild können

  • Überlastung der Hautschutzfunktionen (irritatives Kontaktekzem)
  • Veranlagung zu Neurodermitis (atopisches Ekzem)
  • übermäßige Austrocknung der Haut
  • Besiedlung durch Bakterien oder Hefen (nummulär-mikrobielles oder seborrhoisches Ekzem)

sein.

Daraus folgt, dass eine Kontaktdermatitis erst nach einem Provokationstest sicher bewiesen oder ausgeschlossen werden kann.

Vielfalt in jeder Hinsicht

Was aber, wenn sich die Überempfindlichkeit bestätigt hat? Dann trägt der Arzt die Diagnose natürlich in die Akte ein und rät zu einer angepassten Therapie. Doch nicht selten werden Patient/-innen jetzt ein drittes Mal verwirrt – denn so vielfältig wie die Ursachen und die Diagnose-Verfahren der Kontaktdermatitis sind auch ihre Bezeichnungen und Behandlungsmöglichkeiten.

Nomen est omen

Die Namen der Krankheit variieren zwischen Kontaktdermatitis und Kontaktekzem; wahlweise ergänzt um das Adjektiv “allergisch” oder ersetzt durch die etwas hochtrabenderen Begriffe Allergenexposition bzw. Kontaktsensibilisierung.

Gemeint ist immer das Gleiche: eine mehr oder weniger starke Hautreizung durch äußere oder innere Einwirkung. Ihr Auftreten fußt auf einem komplexen Zusammenspiel von winzig kleinen Zellbausteinen. Die eigentliche Ursache aber ist die Haut selbst – denn erst ein hierin befindliches Protein sorgt für die genannten Symptome.

Prophylaxe als einzige Therapie

Was das bedeutet, erschließt sich beinahe von selbst: Betroffene müssen die Berührung oder Einnahme des auslösenden Stoffes vermeiden. Anderenfalls weitet sich die Kontaktdermatitis zu einer chronischen Hauterkrankung mit dauerhaftem Schadbild aus. Das beinhaltet neben Rötung, Bläschen und Schuppen auch Trockenheit, Risse und Verdickungen.

Tatsächlich ist ein “Kontaktabbruch” der einzige Weg, Patient/-innen dauerhaft von Unannehmlichkeiten zu befreien. Im Extremfall kann das den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten bzw. einen Beschäftigungswechsel nötig machen. Esoterisch veranlagte Menschen betrachten Kontaktdermatitis daher gern als überfälliges Zeichen, die Lebensplanung bzw. -führung zu überdenken.

Bedarfsgerechte Ergänzung

Zur Unterstützung dieser rigorosen Maßnahme stehen zahlreiche Mittel zur Verfügung:

Hand- oder Körpercreme pflegt die betroffenen Stellen, versorgt die Haut mit Feuchtigkeit und erhält ihre Geschmeidigkeit.

Wundauflagen schirmen stark geschädigte Bereiche vor Umwelteinflüssen ab und unterstützen die Wundheilung.

Antihistaminika lindern sowohl die allergische Reaktion als auch den damit einhergehenden Juckreiz und sind in verschiedenen Darreichungsformen bzw. Zusammensetzungen erhältlich.

Topische Glucocorticoide wirken entzündungshemmend, antiallergisch und dadurch auch juckreizlindernd.

Immunsuppressiva kommen bei schwerem oder gar chronischem Verlauf der Kontaktdermatitis zum Einsatz.

Bei allen Anwendungen müssen Ärzt/-innen und Patient/-innen darauf achten, dass die eingesetzten Präparate keine allergieauslösenden Inhaltsstoffe enthalten.

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