Syphilis: Symptome, Diagnose, Therapie

Für keine Infektion kennt die Umgangssprache so viele unterschiedliche Begriffe wie für die Syphilis. Sie heißt polnische, englische, italienische, spanische oder französische Krankheit; wird als Lues, Harter Schanker oder Lustseuche bezeichnet und gelegentlich auch nach Heiligen benannt. Ihren eigentlichen Namen erhielt sie von Girolamo Fracastoro. Der französische Arzt entlehnte ihn einem Werk des altgriechischen Dichters Ovid. Darin ist die Rede von Sypilus – „der, der die Schweine liebt“.

Bild: Der Übertragungsweg – Geschlechtsverkehr.

↓ Was ist Syphilis?
↓ Krankheitsverlauf
↓ Erreger
↓ Diagnose
↓ Therapie
↓ Vorbeugen
↓ Arzt Fragen

Das Wesen der Krankheit

Was es mit dieser Umschreibung auf sich hat, ist Altertumsforschern bis heute ein Rätsel. Warum sich der Fracastoro davon inspirieren ließ, erschließt sich dagegen schnell: Seinerzeit war die Syphilis zwar noch wenig erforscht; ihr Übertragungsweg aber war bekannt. Als Geschlechtskrankheit wird sie durch sexuellen Kontakt weitergegeben – unabhängig davon, welche Spielarten er bedient.

Eine Ansteckung ist via Vaginal-, Oral- oder Analverkehr möglich; während der Schwangerschaft kann der Erreger auch auf das ungeborene Kind übergehen, das dann mit Syphilis zur Welt kommt.

Dass dies den Menschen zu Fracastoros Zeiten Angst machte, ist nachvollziehbar. Noch viel mehr aber müssen sie sich vor den Folgen einer Infektion gefürchtet haben, denn Syphilis ist äußerst heimtückisch. Sie gibt sich nicht immer zu erkennen und kann jahrzehntelang unbemerkt bleiben. Bricht sie aus ihrem Schattendasein aus, kommt jede Hilfe zu spät, weil der Erreger zahlreiche Organe schädigt.

Dramatischer Verlauf

Zeigt sich eine Syphilis-Infektion, durchlaufen die Patient/-innen vier Krankheits-Stadien mit jeweils eigenen Symptomen.

Primärstadium oder Lues I

Zwischen einer Ansteckung und den ersten Anzeichen dafür vergehen zwei bis drei Wochen; in manchen Fällen auch nur wenige Tage oder drei Monate. An der Stelle, an der der Syphilis-Erreger in den Körper eingedrungen ist, bildet sich ein etwa hirsekorngroßes, dunkelrotes Knötchen. Da die Übertragung meist auf sexuellem Weg erfolgt, sitzt es für gewöhnlich

  • am Penis,
  • auf den Schamlippen,
  • in der Scheide oder
  • nahe des Afters.

Aus dieser anfangs unscheinbaren Erscheinung entsteht ein nässendes Geschwür mit erhabenen und festen Rändern – der so genannte harte Schanker. In seiner Umgebung können sich weitere gleichartige Hautveränderungen bilden, die allesamt hochinfektiös sind und zu einem kontinuierlichen Anschwellen der unmittelbar benachbarten Lymphknoten führen.

Dieser Zustand hält einige Wochen an und klingt von selbst wieder ab.

Sekundärstadium oder Lues II

Nach einer (scheinbaren) Ruhephase von zwei bis drei Monaten beginnt das zweite Krankheits-Stadium. Der Syphilis-Erreger hat über die Blut- und Lymphbahnen in den ganzen Körper gestreut, was individuell ausgeprägte Beschwerden verursacht. Neben

  • allgemeiner Abgeschlagenheit
  • Fieber
  • Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen
  • erneuten bzw. weiteren Lymphknoten-Schwellungen

tritt ein fleckiger Hautausschlag auf. Üblicherweise ist er auf den Körperstamm beschränkt; er kann sich aber auch auf den Handflächen und Fußsohlen zeigen. Im weiteren Verlauf der Syphilis ziehen sich die Flecken zu bräunlich-roten Knötchen zusammen, die gelegentlich abschuppen oder nässen und andere Personen infizieren können.

Darüber hinaus kommt es bei manchen Patient/-innen zu stellenweisem Haarausfall, einer Verdickung der Mundschleimhaut und / oder einer Rötung des Rachenraumes.

Die so beschriebenen Symptome zeigen sich schubweise und klingen nach etwa einem Jahr gänzlich ab. Die Krankheit ist damit jedoch nicht überwunden – sondern kann als „versteckte Syphilis“ bestehen bleiben bzw. weitergegeben werden.

Neurosyphilis

Zusätzlich besteht im Sekundärstadium die Gefahr, dass der Syphilis-Erreger das zentrale Nervensystem befällt. Die Anzeichen dafür sind

  • Kopfschmerzen
  • Nackensteifigkeit
  • Hör- und Sehstörungen
  • Lähmungen

Mitunter bleiben sie jedoch aus, weswegen Ärzte die so genannte Neurosypilis nur durch eine Laboruntersuchung sicher diagnostizieren bzw. ausschließen können.

Tertiärstadium oder Lues III

Rund ein Viertel der Infizierten zeigt Symptome des dritten Krankheits-Stadiums. Bis zu mehreren Jahrzehnten nach der Ansteckung können sich auf der Haut, an innenliegenden Organen und im Gewebe Knoten bilden, die gelegentlich aufbrechen und Sekret absondern.

Des Weiteren schädigt Syphilis die Wände der großen Blutgefäße, was zu Durchblutungs-Störungen und Aneurysmen führen kann. Bei einigen Patient/-innen kommt es außerdem zu Herzklappen-Insuffizienz und einer Entzündung des Sehnervs oder der Regenbogenhaut.

Quartärstadium oder Metasyphilis

Im vierten und letzten Stadium beginnt der körperliche Zerfall. Der Syphilis-Erreger hat Rückenmark und Hirn soweit geschädigt, dass sie ihre Funktionen nicht mehr erfüllen können. Betroffene zeigen physische und psychische Auffälligkeiten, die in jeweils einer Gruppe zusammengefasst werden:

Tabes dorsalis

  • lanzenstichartige Schmerzen in Bauch und Beinen
  • Gangunsicherheiten
  • Empfindungsstörungen
  • Verlust der Blasen- und Darmkontrolle
  • Lähmungserscheinungen

progressive Paralyse

  • Wahnideen
  • Halluzinationen
  • geistiger Abbau
  • Demenz

Spätestens an diesem Punkt führt eine unbehandelte Syphilis-Infektion zum Tod.

Verantwortlicher: Treponema pallidum

Heute müssen Betroffene diese erschreckenden Stadien nicht mehr durchlaufen. Aufklärungs-Kampagnen und die augenfälligen Erstsymptome haben dazu geführt, dass Syphilis meist rechtzeitig erkannt wird. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Patient/-innen einen Arzt aufsuchen – und ihre Scheu oder gar Scham vor der möglichen Diagnose überwinden.

An Syphilis kann prinzipiell jede/-r erkranken – unabhängig vom Lebenswandel und der sexuellen Ausrichtung. Die Krankheit hat ihre Ursache in einem Bakterium, das zur Familie der Spirochäten gehört. Diese kommen sowohl in Gewässern und deren Bodenschicht als auch im Magen-/Darm-Trakt von Insekten und im Rachenraum von Säugetieren vor.

Zu den wenigen menschenschädigenden Vertretern ihrer Art zählt der Syphilis-Erreger Treponema pallidum. Dass er sich am liebsten über Schleimhäute bewegt, ist aus seiner Sicht optimal – für den Menschen aber nur bedingt gefährlich, denn außerhalb dieses Milieus ist das Bakterium kaum überlebensfähig.

Die Wahrscheinlichkeit, sich den Syphilis-Erreger in freier Natur „einzufangen“, tendiert gen Null. Eine Übertragung ist nur via Schleimhaut-Kontakt möglich. Dann aber liegt die „Trefferquote“ bei bedenklichen 40-60% – begünstigt durch sexuelle Praktiken mit bereits infizierten Personen.

Faktencheck: So wird Syphilis diagnostiziert

Ob es tatsächlich dazu gekommen ist, stellt der Arzt durch spezielle Untersuchungen fest. Zunächst befasst er sich jedoch mit den äußerlichen Symptomen und der Krankheitsgeschichte des vorstelligen Patienten. Festigt sich dadurch der Verdacht auf Syphilis, kann ein Test Gewissheit bringen.

Mikroskop-Probe

Das Sekret aus dem harten Schanker wird im Dunkelfeld unter dem Mikroskop untersucht. Enthält es das charakteristisch geformte Treponema pallidum, steht die Diagnose fest.

Blutuntersuchung

Enthält das Blut des Patienten Treponema pallidum-Antikörper, hat der Organismus nachweisliche Maßnahmen zur Bekämpfung von Syphilis ergriffen. Sie sind ein Zeichen dafür, dass das Bakterium eingedrungen ist – geben aber keine Auskunft über seine Aktivität.

Daher testet der Arzt das Blut ein zweites Mal und achtet jetzt auf unspezifische Antikörper. Sie zeigen ihm an, ob der Erreger noch ruht, bereits arbeitet oder vielleicht sogar schon gearbeitet hat – denn eine Syphilis-Infektion kann völlig unbemerkt vorrüber gegangen sein.

In diesem Fall ist der Patient immer noch ansteckend und weiterhin gefährdet zu erkranken!

Liquorpunktion

Durch eine Untersuchung des Nervenwassers stellt der Arzt fest, ob das zentrale Nervensystem von Syphilis befallen ist. Dazu sticht er mit einer feinen Nadel in den Rückenmarkskanal und entnimmt etwa 10 ml Liquor. In dieser Flüssigkeit können zahlreiche Entzündungszeichen und Antikörper nachgewiesen werden, die an anderer Stelle nicht erkennbar sind – wie zum Beispiel Treponema pallidum.

Weiterführende Tests

Bei Verdacht oder Bestätigung einer Syphilis liegt der Schluss nahe, dass andere Erkrankungen bestehen. Der Arzt testet daher sicherheitshalber auch auf

  • Gonorrhö
  • Chlamydien
  • Hepatitis
  • HIV

Altbewährt, aber immer noch gut: die Allzweckwaffe Penicillin

Die wirksamste Waffe im Kampf gegen Syphilis ist Penicillin. Obwohl dieses Antibiotikum bereits seit Jahrzehnten eingesetzt wird, hat es seine Schlagkraft gegenüber Treponema pallidum noch nicht verloren. Besteht bei Syphilis-Patient/-innen eine Penicillin-Allergie, kommen andere Antibiotika zur Anwendung.

Sie werden in den Gesäßmuskel gespritzt oder via Infusion verabreicht. Die Menge und die Dauer der Penicillin-Gaben richten sich nach dem Krankheitsstadium und der Aktivität des Erregers.

im Frühstadium

Bis zu einem Jahr nach der Infektion erhalten Patient/-innen einmalig 1,2 Mio i.E. in jede Körperseite.

im Spätstadium

Liegt die Infektion länger als ein Jahr zurück, muss zunächst ein Test auf Neurosyphilis erfolgen. Die oben beschriebenen Injektionen werden nach 8 und 15 Tagen wiederholt.

bei Neurosyphilis und im Tertiärstadium

Deuten Testergebnisse oder Symptome auf einen bereits fortgeschrittenen Syphilis-Verlauf hin, werden die Patient/-innen stationär behandelt. Die Penicillin-Gabe erfolgt in höheren Dosen und über einen Zeitraum von 21 Tagen.
bei Nebenwirkungen

bei Nebenwirkungen

So gut die Syphilis-Therapie mit Penicillin auch anschlägt – ganz ungefährlich ist sie nicht. Neben den bekannten Nebenwirkungen von Antibiotika kann es zur so genannten Jarisch-Herxheimer-Reaktion kommen. Sie äußert sich durch

  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Blutdruckabfall

und macht eine zusätzliche Behandlung mit Kortison erforderlich. Im Zweifelsfall oder bei begründetem Verdacht auf eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion erhalten Syphilis-Patient/-innen den Wirkstoff schon vorbeugend.

Wie immer: Vorbeugen ist besser als heilen

Auch wenn es paradox klingt: Der Gefahr, andere Personen anzustecken, können Syphilis-Patient/-innen vorbeugen. Liegt die Infektion weniger als 90 Tage zurück, besteht eine große Chance, dass der Erreger noch nicht übergesprungen ist. Um das auch weiterhin zu vermeiden, sollten Paare Kondome benutzen oder auf sexuelle Aktivität verzichten. Auch der gemeinsame Gebrauch von Hygiene-Artikeln ist bis zum Anschlagen der Therapie tabu.

Darüber hinaus müssen Betroffene alle Sexual-Partner/-innen über die bestehende Krankheit informieren, denn Syphilis ist meldepflichtig. Im Frühstadium reicht es aus, die Personen der zurückliegenden 90 Tage zu kontaktieren. Liegt die Infektion länger zurück, können ALLE in Frage Kommenden von Syphilis betroffen sein – und werden daher ausnahmslos auf Treponema pallidum getestet.

Arzt fragen

Über unsere Startseite können Sie anonym einem Facharzt für Haut- und Geschlechtserkrankungen Bilder und Informationen zu Ihrem intimen Problem zukommen lassen.