Intertrigo, der Hautwolf – ein unangenehmer Vierbeiner

Dass Hunde ihren Halter/-innen ähneln oder umgekehrt, ist ein häufig bemühtes Klischee. Doch wie in jeder Behauptung steckt auch in dieser ein Fünkchen Wahrheit. Sie beweist sich ausgerechnet dort, wo der Spaß aufhört: bei der schmerzhaften Hautreizung Intertrigo (Hautwolf). Das Ekzem kann sowohl beim Menschen als auch bei seinem treuesten Freund auftreten und hat bei beiden die gleichen Ursachen. Am so genannten Hautwolf erkranken jedoch nur bestimmte Personen und Tiere…

↓ Wer ist gefährdet?
↓ Wo tritt Hautwolf auf?
↓ Symptome
↓ Behandlung (Mensch)
↓ Vorbeugung
↓ Behandlung (Hund)

Wer ist gefährdet?

Es sind jene, die die besten Voraussetzungen für die Ausbildung von Intertrigo mitbringen. Doch “beste” bedeutet in diesem Fall nichts Gutes – denn das Ekzem bildet sich überwiegend an

  • ungepflegten,
  • schwitzenden und / oder
  • schlecht zugänglichen

Hautstellen.

Dementsprechend sind

  • stark übergewichtige / adipöse
  • inkontinente
  • bettlägerige

Menschen stärker gefährdet, an Hautwolf zu erkranken. Des Weiteren gelten

  • Fieber
  • Diabetes mellitus und / oder
  • feucht-heißes Klima

als begünstigende Faktoren, da es hierbei zu verstärkter Schweißbildung kommt.

Wo greift der Hautwolf an?

Unter allen genannten Umständen sammeln sich Schmutzpartikel und körpereigene Sekrete in bestimmten Hautbereichen an. Dazu zählen vor allem

  • die Mundwinkel
  • die Achselhöhlen
  • die Falten unter der weiblichen Brust
  • überhängendes Bauchfett
  • der Intimbereich
  • die Gesäßfalte
  • die inneren Oberschenkel
  • die Zehenzwischenräume

Hier klebt die feuchte Haut förmlich zusammen und bildet einen idealen Nährboden für Pilze und Bakterien.

Während Intertrigo beim Menschen durch Candida albicans hervorgerufen wird, ist bei Hunden meist Staphylococcus intermedius verantwortlich. Je nachdem, wie stark einzelne Rassemerkmale ausgeprägt sind, bilden die Tiere den Hautwolf

  • an den Lefzen
  • zwischen den Stirnfalten
  • in den Hautfalten des Körpers

aus. Zudem können bei übergewichtigen Fähen und älteren Rüden die äußeren Geschlechtsteile von Intertrigo betroffen sein.

Wie macht sich Hautwolf bemerkbar?

Sowohl bei Menschen als auch bei Tieren gibt sich Hautwolf durch Jucken und Brennen zu erkennen. Die betroffenen Areale sind fleckig rot gefärbt und verursachen beim Berühren ein starkes Missempfinden. Dieses Gefühl hat Intertrigo seinen wahrhaft bissigen Namen gegeben – denn das Ekzem zwickt wie die Zähne eines Raubtiers in die Haut.

Die Ränder der geröteten Bereiche sind häufig mit Pusteln besetzt, aus denen sich Bläschen bilden können, die ihrerseits abschuppen. Gelegentlich zeigen sich auch auf der Fläche selbst weißliche Schuppen.

Haben sich in Folge der Reizung bereits Pilze und Bakterien angesammelt, entsteht ein unangenehmer, süßlicher Geruch – der ebenfalls etwas “raubtierhaftes” hat.

Hautwolf, Intertrigo

Von links: Intertrigo in der Poritze, zwischen den Zehen und in der Achsel.

 

Was hilft bei Hautwolf?

Die vorrangige Maßnahme bei Intertrigo umfasst die Pflege der betroffenen Haut. Um Feuchtigkeit in den Falten zu binden und (weitere) mechanische Reize abzumildern, empfiehlt sich ein buchtäbliches Trockenlegen.

Dabei sollte jedoch kein Puder zur Anwendung kommen, da es Klümpchen bildet, die den Hautwolf zusätzlich reizen. Bessere Ergebnisse erzielen Mullkompressen oder Leinenstoff. Sie werden zu Streifen gefaltet bzw. in Streifen geschnitten und direkt in die Hautfalten gelegt. So nehmen sie nicht nur Feuchtigkeit auf, sondern vermindern zugleich die Reibung.

Sind die betroffenen Hautbereiche von Pilzen und / oder Bakterien besiedelt, helfen Antimykotika und / oder Antibiotika. Ihre häufigste Anwendung erfolgt in Form von Cremes oder Salben.

Hautwolf – Vorsorge ist besser als Heilen

Wer die Gefahr entzündlicher Hautreaktionen kennt, kann sie gut vermeiden. Gegen die Ausbildung von Intertrigo helfen schon einfachste prophylaktische Maßnahmen.

Regelmäßige Hautpflege

Zu ihnen gehört in erster Linie Hygiene, die mit einer regelmäßigen Hautpflege einhergeht. Prädestinierte Stellen müssen nach dem Waschen sorgfältig abgetrocknet werden – wobei Tupfen schonender ist als Reiben.

Geeignete Kleidung

Die Kleidung von Hautwolf-gefährdeten Personen muss eng anliegend, leicht und feuchtigkeitsbindend sein. Naturfasern eignen sich prinzipiell besser als synthetische Stoffe. Wolle wirkt auf Grund ihrer Struktur allerdings reizend, so dass Cotton, Leinen und / oder Seide bei Intertrigo-Gefahr Vorrang haben sollten.

Reibung vermeiden

Beim Sport oder sonstigen Bewegungen verhindern fetthaltige Pflegeprodukte, dass Hautareale aufeinander reiben. Auch speziell geschnittene Funktionskleidung wie beispielsweise ein Lauf-Shirt oder eine Radhose kann Reibung vermeiden helfen und der Ausbildung von Hautwolf entgegen wirken.

Umlagern bei Bettlägerigkeit

Ans Bett gefesselte Patient/-innen müssen in regelmäßigen Abständen umgelagert werden. Besonders gefährdete oder bereits betroffene Hautstellen sollten möglichst frei liegen und zum Zweck der Pflege gut zugänglich sein. Um Schweißbildung bzw. -ansammlung zu vermeiden, dürfen Schlafkleidung und Bettwaren nicht zu sehr wärmen. Mehrere dünne Lagen sind besser als eine dicke.

Bewegung

Des Weiteren sollten von Hautwolf bedrohte oder betroffene Personen zur Bewegung animiert werden. Sie sorgt für eine “Belüftung” feuchter Areale und unterstützt die Pflege bzw. Behandlung.

Gut für Mensch und Tier

Einige der genannten Maßnahmen stellen auch für Hunde eine geeignete Vorsorge dar. Halter/-innen bestimmter Rassen wissen sicherlich längst, wie sie den gefürchteten Hautwolf bei ihrem Liebling vermeiden können.

Die Empfehlungen zu Pflege greifen bei allen kurzköpfigen Züchtungen, zu denen beispielsweise der Mops, der Kavalier-King-Charles-Spaniel und die Französische Bulldogge gehören.

Shar-Pei mit hohem Risiko für Hautwolf

 Die Hunderasse Shar-Pei mit besonders hohem Risiko für Hautwolf

Die Intertrigo-Gefahr besteht jedoch nicht nur bei kleinen Vertretern ihrer Art. Auch größere Hunde wie Cockerspaniel oder Boxer können auf Grund ihrer Rassemerkmale an Hautwolf erkranken.

Am häufigsten ist der Shar-Pei betroffen, dessen faltenreiche Haut einen besonders beliebten Angriffspunkt darstellt. Bei Tierschützern steht diese Züchtung daher hart in der Kritik. Doch durch regelmäßige Pflege lässt sich die charismatische Rasse ebenso gesund halten wie jeder andere Hund.