Impetigo Contagiosa (Grindflechte) – Symptome, Ursachen & Therapie

Immer dann, wenn insbesondere Kinder sichtbare Krankheitssymptome entwickeln, ist die Panik nicht selten groß. Das betrifft natürlich auch sichtbare Erkrankungen an der Hautoberfläche. Sind es Blasen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind? Ist unter der Blase sogar eine Flüssigkeitsansammlung sichtbar, die nach Eiter aussieht? Sind diese äußerlichen Zeichen im Bereich von Mund und/oder der Nase? Auch auf anderen Hautpartien können Bläschen sichtbar sein. Diese Symptome deuten auf die Hautkrankheit Impetigo Contagiosa hin. Unser Experte Dr. Benjamin Durani, Hautfacharzt aus Heidelberg, klärt hier die wichtigsten Fragen zu dieser oberflächlich sichtbaren Infektion der Haut.

Bild: Durch Grindflechte (Impetigo Contagiosa) hervorgerufene, durch Schorf nun verschlossene Hautbläßchen auf dem Unterarm eines Kindes.

↓ Was ist Impetigo Contagiosa?
↓ Ursachen
↓ Symptome
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↓ Prognose

Was ist Impetigo Contagiosa?

Bei Impetigo Contagiosa handelt es sich um eine Hautinfektion, bei der sich der Krankheitsherd zunächst auf die Hautoberfläche beschränkt. Alternative Bezeichnungen für dieses Krankheitsbild sind Borkenflechte, Grindflechte, Eiterflechte oder Schleppe. In den meisten Fällen sind es Kinder, die davon betroffen sind, die Impetigo Contagiosa kann in selteneren Fällen aber auch im Erwachsenenalter auftreten. Neben den oben genannten sichtbaren Zeichen der Blasenbildung mit Flüssigkeits- oder Eiteransammlungen ist ein weiteres wichtiges Kennzeichen der Borkenflechte der Schorf, der sich nach dem Aufplatzen der Bläschen bildet. Dieses krustenartig abgestorbene Gewebe weist einen gelblichen Farbton auf und verschließt die Wunde, die durch die offene Blase entstanden ist. Als häufigste bakteriell verursachte Hauterkrankung im Kindesalter zeigt sie ein Auftreten von 20 Fällen/1000 Einwohner pro Jahr im innereuropäischen Raum.

Ursachen der Impetigo Contagiosa

Hier ist es zunächst ganz wichtig zu wissen, dass die Borkenflechte als hoch infektiös einzustufen ist. Eine Ansteckung mit den Erregern erfolgt durch direkten Kontakt mit betroffenen Personen. Auch die Benutzung gleicher Gegenstände kann zur Infektion führen. In diesem Fall sprechen Experten von einer sogenannten Schmierinfektion. Die auslösenden Erreger, wie Staphylococcus aureus oder hämolysierende Streptokokken können sich in Kindergärten oder Schulen durch den intensiven Kontakt mit anderen Kindern besonders schnell ausbreiten. Wenn aufgrund der Symptome also ein Verdacht auf Impetigo Contagiosa besteht, sollten die betroffenen Kinder also erstmal zu Hause bleiben, bis eine abklärende Diagnose durch den Facharzt gesichert ist.

Faktoren, die eine Infektion begünstigen

In den meisten Fällen wird eine Infektion durch bereits verletzte Areale der Haut begünstigt. Das können beschädigte Hautflächen durch oberflächliche Wunden ebenso sein, wie aufgekratzte Stellen. Klassische Ursachen hierfür sind vorhandene Erkrankungen wie Krätze, Neurodermitis oder auch Windpocken. In diesen Fällen ist der meist kindliche Körper besonders anfällig, die Erreger der Impetigo Contagiosa können so besonders leicht in den Organismus eindringen. Auch hier gilt: Besteht der Verdacht einer Erkrankung in einem Kindergarten oder einer schulischen Einrichtung, sollten diese Kinder unbedingt fernbleiben, um einer weiteren Erkrankung vorzubeugen. Möglich ist eine Infektion der Impetigo Contagiosa aber auch ohne Ausbruch der Krankheit. In diesen Fällen befinden sich die Erreger im Rachen- und Mundbereich, ohne das Auftreten der klassischen Symptome – diese Menschen sind gesund. Generell gilt: Die Inkubationszeit, die Zeit zwischen der Inkfektion und dem Auftreten der ersten Symptome, beträgt zwei bis zehn Tage. Als ansteckend gelten alle Personen, bei denen die eitrigen oder offenen Hautareale noch nicht vollkommen abgeheilt sind.

Symptome der Impetigo Contagiosa

Blasenartige Auswürfe der Haut sind das am deutlichst sichtbare Zeichen einer Infektion mit Impetigo Contagiosa. Je nach Erreger unterscheiden sich die sichtbaren Erscheinungen durch kleinblasige oder großblasige Erscheinungsformen. Kleinere Bläschen werden durch eine Infektion mit Streptokokken verursacht, die großblasige Borkenflechte weist auf Staphylokokken hin. In aller Regel beginnt die Infektion im Mund-Nasen-Bereich. Rötung und Beschwerden in Form von juckenden Schleimhautirritationen sind typisch für den Beginn einer Impetigo Contagiosa. Der nächste Schritt im Krankheitsverlauf ist die Blasenbildung. Diese dünnen Erhebungen auf der Hautoberfläche sind mit Eiter oder Flüssigkeit gefüllt und können ganz leicht aufplatzen. Abgetrocknet bilden die offenen Pusteln und Bläschen dann den typischen Schorf, der eine honiggelbe Farbe aufweist. Hier sprechen Mediziner auch von der sogenannten Eiterflechte. Die Eiterflechte ist asymmetrisch, mit deutlich abgegrenzten Rändern und roten Krusten. Wie auch sonst bei Wunden im oberen Hautbereich bilden sich Schuppen und nach einiger Zeit fallen die Krusten von allein ab. Handelt es sich um eine Form der großblasigen Borkenflechte kann es auch zu Fieber und einer Schwellung der Lymphknoten kommen.

Auch hier ganz wichtig: Sowohl der Inhalt der Bläschen, als auch der Schorf sind infektiös. Eine durch Hautkrusten geschlossene Stelle kann also keinesfalls als ungefährlich für das Umfeld angesehen werden.

Die nicht-bullöse Impetigo Contagiosa

Es gibt eine Sonderform der Borkenflechte, auch als nicht-bullöse Impetigo Contagiosa bezeichnet. Hier handelt es sich um eine Infektion, bei der die übliche Bläschenbildung mit Flüssigkeitsfüllung nicht auftritt. Man erkennt dann den Befall lediglich an geröteten Hautarealen und dem typisch honiggelben Schorf, der rund um den Nasenbereich zu sehen ist. Diese besonders hartnäckige Form erfordert in der Regel eine lange Behandlungsdauer. Eine weitere Besonderheit ist hier der mögliche Befall an der Hautoberfläche: Die nicht-bullöse Impetigo Contagiosa kann alle Körperstellen befallen.

Diagnosestellung durch den Facharzt

Unser Spezialist Dr. Benjamin Durani, Hautfacharzt aus Heidelberg, bietet die Möglichkeit zu einer ersten Einschätzung der Symptome durch das Einsenden von Fotos und der Schilderung der vorhandenen Symptome. In manchen Fällen können sich Patienten so bereits den Weg zum Arzt sparen und bekommen einen Therapievorschlag. Auch Zweitmeinungen von einem Experten sind auf diesem einfachen Weg ganz unkompliziert möglich. Bei einer Impetigo Contagiosa, der Borkenflechte stellt der Arzt die Diagnose anhand des klinischen Bildes. Das bedeutet eine optische Sichtung der Hautveränderungen in Zusammenhang mit der Schilderung der Symptome. Bei Verdacht wird eine Untersuchung durch ein qualifiziertes Labor veranlasst. Dafür benötigt der Facharzt einen Abstrich, der direkt von der Haut oder aus dem Mund/Rachenbereich entnommen wird. In manchen Fällen, wenn sich der Erreger schon über längere Zeit im menschlichen Organismus befindet, kann auch eine Untersuchung im Urin oder im Blut sinnvoll sein. Das dient dazu, spezifische Antikörper nachzuweisen.

Behandlung der Impetigo Contagiosa

Eines gilt nicht nur bei der Therapie der sogenannten Borkenflechte: Je früher mit Diagnose und Behandlung begonnen wird, umso besser die Prognose. Zumal hier auch die besondere Gefahr der leichten Ansteckung gilt.

Je nach Schweregrad der Infektion kommen bei Impetigo Contagiosa zwei Behandlungsmethoden in Betracht. Die leichtere Form wird mit Antiseptikum therapiert. Das sorgt für das Abtöten der Bakterien und erlaubt einen besonders schnellen Heilungsverlauf. Bei schweren Fällen verschreibt der Arzt ein Antibiotikum, das unbedingt über die vorgeschriebene Dauer oral eingenommen werden muss.

Um eventuelle Beschwerden zu lindern, können feuchte Umschläge bei auftretendem Fieber hilfreich sein. Auch das lokale Auftragen von desinfizierenden Salben helfen dabei, die örtlich auftretenden Symptome zu mildern und die Therapie wirkungsvoll zu unterstützen.

Hygiene unterstützt den Heilungsprozess und verhindert die Ansteckung

Neben einer lokalen Behandlung mit Antiseptika oder Antibiotika ist die sorgfältige Beachtung besonderer Hygienevorschriften sehr wichtig, gilt es doch den Heilungsprozess zu fördern und die Ansteckung des nächsten Umfeldes zu vermeiden. Angehörige oder Pflegende sollten sich daher unbedingt nach jedem Kontakt mit dem Erkrankten gründlich die Hände mit Seife waschen. Auch die Fingernägel sollten sauber und kurz geschnitten sein. So werden Bakterienansammlungen oder Verletzungen durch spitze Nägel vermieden. Bitte weder offenen Stellen, noch die Krusten berühren und auch keinesfalls am Schorf kratzen! Für Textilien, die mit dem Infizierten in Berührung gekommen sind gilt: Bei 60 Grad waschen genügt, um alle gefährlichen Bakterien abzutöten. Das gilt für Kleidung ebenso, wie für Bettwäsche oder Handtücher.

Prognose

Die Impetigo Contagiosa erfordert eine konsequent durchgeführte Therapie durch einen Facharzt. Gut beraten und begleitet ist eine völlige Heilung meist problemlos möglich. Bleibende Schäden oder unschöne Narben auf der Haut können durch rechtzeitige Behandlung vermieden werden.