Plattenepithelkarzinom (Spinaliom, weißer Hautkrebs)

Plattenepithelkarzinom (Spinaliom) – Ein Ratgeber zu den Symptomen, Risiken und Therapiemöglichkeiten dieser Form des hellen Hautkrebses. Mit zahlreichen Tipps zur Vorbeugung und Früherkennung von unserem Experten Dr. Benjamin Durani, Hautfacharzt aus Heidelberg.

Bild: Knotige Form des Plattenepithelkarzinoms (Spinalioms)

↓ Was ist ein Spinaliom?
↓ Ursachen
↓ Diagnose
↓ Therapie
↓ Nachsorge
↓ Vorbeugung
↓ Experten fragen

Das Plattenepithelkarzinom oder Spinaliom

Unter den bösartigen Hauttumoren nimmt das Plattenepithelkarzinom oder Spinaliom von der Häufigkeit her den zweiten Platz ein (erster Platz: Basaliom). Es gehört zu den Arten des weißen Hautkrebses. In Europa werden jedes Jahr etwa 50 bis 200 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner bekannt. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei ungefähr 70 Jahren, wobei mehr Männer als Frauen betroffen sind. Zu einer Metastasenbildung kommt es bei rund fünf Prozent der Patienten. Meist werden dabei zuerst die benachbarten Lymphknoten angegriffen.

Ursachen für ein Plattenepithelkarzinom

In der Regel entsteht ein Spinaliom auf Hautpartien, die dem Sonnenlicht besonders häufig und lange ausgesetzt sind. Dazu zählen das Gesicht, der Hals, die Ohren, die Unterarme und Handrücken. Erste typische Anzeichen sind rotbraune, raue Flecken, die Schuppen bilden. Der Fachbegriff dafür heißt aktinische Keratose. Die Flecken sind zunächst gutartig und schreiten in ihrer Entwicklung nur langsam voran. Die Ausbildung kann sich über Monate und Jahre hinziehen. Trotzdem gelten sie als Vorstufe zum weißen Hautkrebs und sollten deshalb regelmäßig und aufmerksam auf Veränderungen kontrolliert werden.

Neben dem natürlichen Sonnenlicht können auch die künstlichen UV-Strahlen bei Solariumsbesuchen die Ursache für ein Plattenepithelkarzinom sein. In der Regel schützt sich die Haut, indem sie Schäden selbst repariert und Veränderungen ausbessert. Überschreitet die UV-Einwirkung allerdings ein bestimmtes Maß, greift diese Selbstreparatur nicht mehr. Die kranken Hautzellen vermehren sich, es kommt zu einer aktinischen Keratose und schließlich zu einem Spinaliom.

Weitere Ursachen können chronische Wunden, Schäden durch häufiges Röntgen, Narben von Brandwunden oder andere Hauterkrankungen sein. Auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, HIV oder gewissen Erbkrankheiten sind stärker gefährdet als andere.

Risikofaktoren

Folgende Faktoren erhögen das Risiko einer Erkrankung an hellem Hautkrebs:

– die erwähnten aktinischen Keratosen
– Entwicklung aus einem Keratoakanthom
– bereits geschädigte Hautpartien wie zum Beispiel Narben
– ein heller Hauttyp (Menschen mit hellen Augen und rötlichen oder blonden Haaren)
– Medikamente, die das Immunsystem hemmen bzw. schwächen (z.B. Cyclosporin A)
– ein schwaches Immunsystem auf Grund von HIV-Infektionen oder Organtransplantationen
– seltene, aber schwere Hautkrankheiten
– Arsenkontakt bei einer früheren Schuppenflechtenbehandlung

Angenommen wird ein erhöhtes Risiko für den Hautkrebs auch bei einer Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV). Allerdings ist diese Hypothese nicht vollständig wissenschaftlich abgesichert.

Das Erscheinungsbild eines Spinalioms

Zu Beginn der Erkrankung sieht ein Spinaliom ähnlich aus wie die aktinische Keratose. In fortschreitendem Stadium entwickelt sich der Tumor zu derben Knoten mit einer zerklüfteten, warzenartigen Oberfläche. Hinzu kommen fest haftende Verhornungen, die sich mit den Fingern nicht ablösen lassen oder bei dem Versuch zu Blutungen führen. Im Gegensatz zu anderen Hauterkrankungen fehlen beim Plattenepithelkarzinom Symptome wie Juckreiz oder Schmerzen. Grundsätzlich gilt: Personen, die solche ungewöhnlichen oder bisher unbekannten Veränderungen an sich feststellen, sollten zeitnah einen Hautarzt kontaktieren. Für eine qualifizierte Ersteinschätzung eines Hautfacharztes können Sie Fotos der Hautstelle, die Sie sorgt, über diese Webseite an einen Hautarzt schicken.

Spinaliom-Diagnose

Gut geschulte Hautärzte erkennen ein Plattenepithelkarzinom wegen seines typischen Erscheinungsbildes in den meisten Fällen bereits beim bloßen Ansehen. Zum Einsatz kommt häufig auch ein Dermatoskop – das ist ein Aufsichtmikroskop, vergleichbar einer Lupe mit integrierter Lichtquelle – als zusätzliches Diagnoseverfahren. Dies erleichtert die Unterscheidung von anderen Tumoren der Haut deutlich.

Endgültige Sicherheit gibt allerdings erst eine Gewebeentnahme (Biopsie) und die Überprüfung der Probe in einem spezialisierten Labor. Bedeckt ein Spinaliom größere Hautpartien oder zeigt es sich an spezifischen Stellen wie am Ohr, sind weitere Maßnahmen angeraten. Dann sollten die nahe gelegenen Lymphknoten mit Ultraschall auf eventuelle Metastasen untersucht werden. Gleiches gilt für ein Auftreten an den Lippen.

Spinaliom-Therapie

Beim Spinaliom gilt – wie bei allen Krebserkrankungen – dass die Heilungschancen umso größer sind, je eher es erkannt wird. Hat der Arzt diesen Typ Hautkrebs diagnostiziert, stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten offen. Diese sind im Überblick:

  • die operative Entfernung durch einen Chirurgen
  • eine Kürettage (das Abschaben oder Herausschneiden des betroffenen Hautgewebes)
  • eine Elektrodesikkation (Entfernung des Tumors mit hoher Stromspannung unter örtlicher Betäubung)
  • eine Kryotherapie (Entfernung mittels Vereisung des kranken Gewebes)
  • eine Strahlentherapie
  • eine lokale Chemotherapie
  • eine photodynamische Therapie

Die erste Wahl und Standardtherapie ist die operative Entfernung des Tumors. Diese gewährleistet nicht nur am ehesten eine vollständige Heilung, sondern ist auch unter kosmetischen Gesichtspunkten vorteilhaft. Kleine Eingriffe können in der Regel in der Praxis des Hautarztes durchgeführt werden. Bei größeren Operationen erfolgt meist eine Überweisung in eine spezielle Fachklinik.

In manchen Fällen bildet der Hautkrebs Tumorstränge unter der Haut, die von außen auf den ersten Blick nicht sichtbar sind. Dann kann eine mikroskopisch gesteuerte Chirurgie zur Anwendung kommen. Dabei wird das Feingewebe des Tumors und der Schnittränder parallel zur OP in einem Labor untersucht. Das Verfahren soll sicherstellen, dass alle erkrankten Teile komplett entfernt wurden. Manchmal dauert die Kontrolle im Labor mehrere Tage, so dass die Wunde vorübergehend nur provisorisch versorgt wird. Stellt der operierende Arzt fest, dass auch Lymphknoten befallen sind, wird er diese ebenfalls entfernen.

Strahlentherapie bei älteren Patienten

Sollte eine Operation oder die vollständige Entfernung eines Tumors nicht möglich sein, kann eine Strahlentherapie Sinn machen. Dies trifft besonders auf sehr alte Patienten zu oder wenn der Tumor an einer ungünstigen Stelle liegt.

Weitere Therapien

Leichtere Fälle werden häufig mit einer Kryotherapie, einer photodynamischen Therapie oder eine Kürettage behandelt. Eine Chemo- oder Immuntherapie kommt in Frage, wenn das Plattenepithelkarzinom bereits Metastasen in den Lymphknoten oder sogar Organen gebildet hat. Als Wirkstoffe werden dabei 5-Fluorouracil (Chemotherapie) oder Interferon-alpha (Immuntherapie) eingesetzt.

Nachsorge bei weißem Hautkrebs

Wurde ein Spinaliom vollständig entfernt, sollten sich die Betroffenen trotzdem regelmäßig kontrollieren lassen und einer Nachsorge unterziehen. Denn bei etwa der Hälfte der behandelten Patienten kommt es innerhalb der folgenden fünf Jahre zu einer Neubildung des Tumors. Der Fachausdruck dafür lautet Rezidiv. Empfohlen werden Nachuntersuchungen zunächst alle drei, später alle sechs Monate, und zwar über einen Zeitraum von fünf Jahren. Weitere Kontrollen sind abhängig von der jeweils individuellen Behandlung und dem Heilungsverlauf.

Vorbeugung

Wer sich vor Hautkrebs schützen will, kann zahlreiche einfache, aber sinnvolle Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Dazu zählen:

  • die Mittagssonne vermeiden (etwa zwischen 11.00 und 15.00 Uhr)
  • auf Besuche im Solarium verzichten
  • sich bei sonnigem Wetter im Freien möglichst im Schatten aufhalten
  • Sonnenschutzkleidung und -kopfbedeckung tragen
  • Sonnenschutzmittel mit einem hohen Schutzfaktor auftragen (alternativ mit UV-A und UV-B-Schutz)
  • bei Berufen im Outdoor-Bereich beim Arbeitgeber nach Sonnenschutzmaßnahmen fragen (Sonnensegel, verkürzte Arbeitsphasen während der Mittagszeit)
  • etwa alle sechs Monate einen Check der eigenen Haut durchführen
  • Hautkrebs-Untersuchungen nutzen – die Krankenkassen übernehmen ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre die Kosten für eine Ganzkörperuntersuchung
  • bei bereits überstandenen Erkrankungen regelmäßig zur Nachsorge gehen
  • Besonders wichtig: bei Kindern auf ausreichend Sonnenschutz achten!

Unsere Empfehlung

Dr. Benjamin Durani, Hautfacharzt aus Heidelberg, ist Experte für Hautkrebs und andere Hauterkrankungen. Er empfiehlt, die hier beschriebenen Tipps und Ratschläge unbedingt und konsequent zu befolgen, um sich vor Tumoren zu schützen. Der Aufwand dafür ist vergleichsweise gering. Es ist besser und gesünder, auf das Schönheitsideal “braune Haut” zu verzichten, als sich dem Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, auszusetzen.

Fotos vom Experten begutachten lassen

Ein weiterer Tipp: Menschen, die sich betroffen fühlen, können auf direktem Wege online Fotos und Informationen einsenden, die digital begutachtet werden. Über unsere Startseite können Sie eine entsprechende Anfrage senden.