Rosazea – Symptome und Behandlung

Auffällige Rötungen im Gesicht, die oft genug mit lästigen Pusteln oder Knötchen einhergehen – diese als Rosazea bezeichnete Hauterkrankung lässt sich mit wenig Aufwand und einigen Medikamenten gut behandeln. Erfahren Sie mehr über die häufige Hauterkrankung in diesem Fachartikel.

Ursachen
↓ Symptome
↓ Diagnose
↓ Behandlung
↓ Rhinophym

Was ist Rosazea?

Es gibt zahlreiche Bezeichnungen für diese weit verbreitete Hauterkrankung: Couperrose, Erwachsenenakne, Kupferfinne oder Kupferrose – gemeint ist Rosazea, die sich mit Rötungen im Gesicht bemerkbar macht. Die typisch rote Nase lässt sich ebenso schwer abdecken wie die roten Stellen auf Wange, Stirn oder Kinn. Noch schlimmer wird es, wenn sich Pickel oder Knötchen bilden und die Blicke aller gezielt auf sich lenken. Die Rosazea ist aber durchaus behandelbar, wie Dr. Hendrike Durani, Dermatologin aus Heidelberg, betont. Hier die wesentlichen Fakten zur Hauterkrankung übersichtlich zusammengefasst.

Sie ist nicht ansteckend, aber chronisch entzündlich – Ursache für die Rosazea sind Erweiterungen der feinen Gefäße auf Nase, Wangen, Kinn und Stirn, selbst die Augen können involviert sein. Weitere Indizien für eine Erkrankung sind Pusteln und Papeln, also Knötchen, im Gesicht, die sich regelmäßig in Schüben bilden. Gelegentlich kommt es zur Ausbildung eines Rhinophyms, wie die umgangssprachlich als Kartoffel-, Säufer oder Knollennase bezeichnete Verdickung gerne betitelt wird. Verstärkend wirkt vor allem der Genuss von Alkohol oder scharfen Speisen, aber eben auch Stress, Sonnenstrahlen oder Wärme. Neben der Vermeidung dieser Faktoren kann die Rosazea mit einigen Medikamenten zum Einnehmen oder Auftragen behandelt werden. 

Verbreitung

Dabei ist die Rosazea längst zu einer der am weitesten verbreiteten Hauterkrankung Erwachsener avanciert, allein in Deutschland sind zwei bis fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung betroffen. Während Männer von stärkeren Symptomen geplagt sind, leiden Frauen doch häufiger an dieser Hauterkrankung. Üblicherweise tritt die Krankheit erstmals im Alter zwischen 30 und 50 auf, allerdings können Vorstufen schon vorher als plötzlich auftretende und anhaltenden Rötungen des Gesichts sichtbar sein. Diese an das Aufblühen von Rosen erinnernden Rötungen zeichnen auch für die Namensgebung verantwortlich, insbesondere im Anfangsstadium wird die Erkrankung als Kupferfinne oder Kupferrose bezeichnet.

Wichtiger Hinweis:
Ein Zusammenhang zur Akne lässt sich nicht herstellen, hier führt die umgangssprachliche Bezeichnung als Erwachsenenakne in die Irre. Allerdings kann sich die Rosazea nach einer Akne entwickeln, beide Hauterkrankungen können auch gleichzeitig auftreten.

Ursachen nicht eindeutig: Rosazea als chronische Entzündung

Bislang lässt sich dieser Hauterkrankung keine Ursache eindeutig zuordnen. Einerseits scheinen vor allem genetische Faktoren eine Rolle zu spielen, da in zahlreichen Fällen auch Familienmitglieder der Betroffenen erkrankt sind. Da insbesondere West- und Nordeuropäer mit heller Haut an Rosazea leiden, ist die aus dem Angloamerikanischen bekannte Umschreibung „Fluch der Kelten“ wohl nicht so weit hergeholt. Auch die Sonne beeinflusst die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung, denn die chronische Hautschädigung durch UV-Strahlen wirkt sich auf Blut- und Lymphgefäße, aber auch auf das Bindegewebe aus, was die entzündliche Erweiterung der Gefäße fördert.

Unsere Expertin: Dr. Hendrike Durani, Hautfachärztin in Heidelberg

Unsere Expertin: Dr. Hendrike Durani, Hautfachärztin in Heidelberg

Andererseits legen jüngere Ergebnisse der Forschung nahe, dass die Hautentzündung mit einer angeborenen fehlgeleiteten Immunreaktion zusammenhängen kann. So wurde nachgewiesen, dass vor allem veränderte und verstärkt ausgebildete Cathelicidine, also antimikrobielle und zum Immunsystem gehörenden Eiweißteilchen, die Entzündung begünstigen. Als weiterer Faktor verstärken die in der betroffenen Hautpartie vermehrt nachgewiesenen Demodex-Milben den entzündlichen Prozess, Anzeichen sind die Knötchen und Pickel. Sobald die Haut erkrankt, wandern Abwehrzellen ein und schütten bestimmte Botenstoffe aus – die Gefäße weiten sich. Entzündungsbedingt verstärkt sich die Teilung der Zellen von Talgdrüsen und Bindegewebe, was stellenweise Verdickungen Haut und in der Folge die Vergrößerung der Poren hervorruft.

Die wesentlichen Symptome 

Die Rosazea tritt in der Regel in der Gesichtsmitte, also auf Nase, Wangen, Stirn und Kinn, auf – in seltenen Fällen können sich auch auf Dekolleté und Hals Veränderungen der Haut zeigen. Allerdings bleibt der Bereich um Augen und Mund üblicherweise verschont. Wie die erfahrene Dermatologin Dr. Hendrike Durani betont, gibt es unterschiedliche Stadien oder Formen, in denen Rosazea auftreten kann – ohne dass sie einander folgen müssten:

Kupferfinne – Rosacea erythemato-teleangiectatica 

Die anfänglich diffuse Hautrötung mit einer zunehmend sichtbaren Anzahl erweiterter Gefäße wird als Kupferfinne bezeichnet. Typisch sind Brennen, Stechen und Jucken der Haut. Klingen die Rötungen zu Beginn der Erkrankung noch schnell wieder ab, bleiben sie im fortgeschrittenen Stadium dauerhaft.

Rosacea papulopustulosa

Treten zur Hautrötung und Erweiterung der Gefäße eitrige Pickel und Knötchen auf, ist das zweite Stadium erreicht, das durchaus an Akne erinnert. Allerdings stehen die im Vergleich kleineren Veränderungen der Haut dichter beieinander.

Rosacea hypertrophica

Sobald Talgdrüsen und Bindegewebe verstärkt wuchern, beginnt das dritte Stadium. Allerdings sind nun möglichen knotigen Nasenverdickungen (Rhinophym) fast nur bei Männern zu verzeichnen. Seltener bilden sich ähnliche Hautwucherungen am Kinn (Gnatophym), an Ohren (Otophym), Augenlidern (Blepharophym) oder Nasenwurzel (Metophym).

Betroffene werden schnell feststellen, dass ihre Gesichtshaus sehr empfindlich und leicht zu irritieren ist. Kosmetika, Medikamente und Hautpflegepräparate können bereits Reaktionen hervorrufen. Nicht zuletzt die optischen Folgen der Hauterkrankung im Gesicht können zu einer großen Belastung führen.

Rhinophym

Rhinophym bei ausgeprägter Rosazea

Wichtiger Hinweis:
Bei einer Rosazea können auch die Augen (Opthalmo-Rosazea) betroffen sein – und das ganz unabhängig davon, ob die Gesichtshaut befallen ist. Die Augen werden trocken und können sich entzünden, wie zum Beispiel an der Bindehaut, dem Lidrand und der Regenbogenhaut. Nur selten ist die Hornhaut involviert, allerdings kann eine solche Entzündung ohne Behandlung auch zur Erblindung führen. Haben Sie wiederholt sogenannte Gerstenkönner, kann es sich um einen ersten Hinweis auf eine Rosazea-Erkrankung handeln. 

Besondere Formen einer Rosazea

In einigen Fällen entwickeln sich teilweise schmerzende oder bräunlich-rot verfärbte Knoten, die als granulomatöse oder lupoide Rosazea bzw. Rosacea conglobata bezeichnet werden. Dominieren jedoch starke, bleibende Gesichtsrötungen und -schwellungen, könnte es sich um einen Morbus Morbihan handeln. Bei Kindern tritt die Rosazea in erster Linie mit Augensymptomen auf.

Die detaillierte Diagnose

Der Hautarzt kann in der Regel eine Rosazea diagnostizieren, indem er zunächst die Haut genau in Augenschein nimmt und alle relevanten Fakten zur Krankengeschichte abfragt. Darüber hinaus ermittelt er die verstärkenden Faktoren. Nur vereinzelt empfiehlt es sich, im Rahmen einer Biopsie eine Hautprobe der betroffenen Stellen zu entnehmen und mikroskopisch zu untersuchen. So lassen sich Erkrankungen mit ähnlichen Anzeichen, wie beispielsweise die periorale Dermatitis, die auch als Stewardesskrankheit oder Mundrose bekannt ist, oder den als roter Wolf bezeichneten Lupus erythematodes, ausschließen. Eventuell werden auch Blutuntersuchungen durchgeführt. Sollten die Augen involviert sein, zieht der Dermatologe mit Sicherheit einen Augenarzt hinzu.

Die Möglichkeiten der Therapie

Die Rosazea gehört zu den chronischen Erkrankungen, also ist auch eine dauerhafte Therapie inklusive regelmäßiger Kontrollbesuche beim Dermatologen angeraten. Medikamente können dabei nur unterstützen, es gilt also, eine geeignete Gesamtstrategie zu entwickeln:

Verstärkende Faktoren identifizieren und meiden

Es gibt einige Faktoren, die eine Rosazea verschlimmern können und daher gemieden werden sollten. Dazu zählen beispielsweise 

  • Alkohol
  • warme Getränke
  • Stress
  • scharfe Speisen
  • Sonnenstrahlen
  • ausgewählte Medikamente wie Calciumantagonisten

Wichtiger Hinweis:
Sollten Sie den Eindruck haben, dass sich eines Ihrer Medikamente negativ auf den Krankheitsverlauf auswirkt, sollten Sie Ihren Arzt konsultieren – keinesfalls aber das Arzneimittel eigenmächtig absetzen.

Stress bewältigen und vermeiden

Um besser mit Stress umzugehen, empfehlen sich in erster Linie Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung. Allerdings sollten Betroffene eine individuelle Strategie erarbeiten.

Kosmetika und Hautpflege sorgfältig auswählen

Schon die tägliche Hautpflege kann die Symptome einer Rosazea mildern. Hier eignen sich vor allem seifenfreie, ph-neutrale und seifenfreie Syndets oder Waschlotionen. Vor allem bei der Kosmetika spielen die Inhaltsstoffe eine entscheidende Rolle, vor allem Kampfer oder Menthol sind zu meiden, Silikonöl oder Glycerin hingegen erweisen sich regelmäßig als gut verträglich. Um sich trotz der Hauterkrankung sicher im Alltag bewegen zu können, sollten Betroffene die Rötungen gut abdecken. Besonders effektiv sind Kosmetikprodukte mit grünen Farbpigmenten, die die Rötungen gut abschwächen.

Spezielle Dermatokosmetika verwenden

Es gibt eine Reihe von Dermatokosmetika, deren Aktivstoffe die Rosazea-Symptome lindern und somit die Behandlung mit Medikamenten unterstützen können. Diese Pflanzenstoffe vermindern beispielsweise die Hautrötung und die sichtbare Erweiterung der Blutgefäße im Gesichtsbereich.

Sonnenschutz nicht vergessen

Ausgedehnte Sonnenbäder sind keinesfalls zielführend, im Gegenteil, Erkrankte sollten einen Sonnenschutz nutzen, der sowohl gegen UVB- als auch gegen UVA-Strahlen abschirmt. Sinnvoll ist ein ganzjähriger Lichtschutz, der auf den jeweiligen Hauttyp zugeschnitten ist, denn UV-Licht begünstigt und verstärkt die Erkrankung an Rosazea.

sonnenschutz

Ausgiebige Sonnenbäder sollten bei Rosazea unbedingt gemieden werden

Gesicht massieren

Sollten im Verlauf der Rosazea-Erkrankung als Folgen des entzündlichen Prozesses Schwellungen im Gesicht auftreten, können Gesichtsmassagen helfen. Die Schwellungen entstehen vor allem an den Stellen im Gesicht, wo Muskelbewegungen nicht für eine Auflösung sorgen können.

Eiswürfel lutschen und gekühlte Getränke bevorzugen

Als wirksam gegen die sich plötzlich rötende Gesichtshaut erweisen sich oft einfach Maßnahmen, wie zum Beispiel das Trinken kalter Getränke oder Lutschen von Eiswürfeln.

Medikamente verschreiben lassen

Der Dermatologe kann verschiedene Arzneimittel zur innerlichen und/oder äußerlichen Anwendung verschreiben. 

Äußerliche Behandlung

In Gels, Lotions oder Cremes zur Behandlung von Rosazea kommt in erster Linie Metronidazol zum Einsatz, auch wenn der Wirkmechanismus noch nicht gänzlich geklärt ist. Es wird angenommen, dass dieser Wirkstoff die Entzündungen hemmt. Eine Alternative ist die ebenfalls entzündungshemmende Azelainsäure in Gel-Form, eine andere eröffnet sich mit Ivermectin in Creme-Form. Dieser Wirkstoff verringert nämlich nicht nur die Entzündung, sondern auch dem Befall durch die Demodex-Milbe. Um die Hautrötungen zu vermindern, werden gefäßverengende Stoffe eingesetzt, wie zum Beispiel Bromonidin.

Innerliche Behandlung

Sollten die äußerlichen Anwendungen die Symptome nicht lindern oder die Entzündung zu schwerwiegend sein, wird der Dermatologe zusätzlich Antibiotika zum Einnehmen verordnen. In Frage kommen vor allem Tetracycline wie Minocyclin oder Doxycylin in niedriger Dosierung und spezieller Zubereitung, sodass der Einfluss auf das Bakterienwachstum vermieden wird. So wird bei guter Verträglichkeit ausschließlich die Entzündung gehemmt.

Sollten sich Tetracycline als nicht verträglich oder wenig erfolgreich erweisen, kann in Abstimmung zwischen Arzt und Patient ein Vitamin-A-Abkömmlich zur Anwendung kommen: Isoretinoin führt beispielsweise auch zu einer Volumenreduzierung bei einem wenig ausgeprägten Rhinophym, wenn es innerlich angewendet wird. Allerdings sind Nebenwirkungen zu beachten, so sollte bei weiblichen Patienten im passenden Alter eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen und die Verhütung zuverlässig gewährleistet sein. Der Wirkstoff kann nämlich zu Fehlbildungen bei Ungeborenen führen. Darüber hinaus sollten während der Behandlung die Leberwerte und Blutfette im Rahmen regelmäßiger Blutuntersuchungen überwacht werden.

Liegt ein Befall durch die Demodex-Milbe vor, empfiehlt sich eine Bekämpfung des Parasiten mit Permethrin. Dieser Wirkstoff reduziert die Anzahl erheblich, allerdings muss diese Anwendung ebenfalls zwischen Arzt und Patient abgestimmt werden, da der Zulassungsbereich verlassen wird. Für eine dauerhafte Therapie der Rosazea-Erkrankung ist Permethrin jedoch nicht geeignet.

Wichtiger Hinweis:
Kortisonhaltige Präparate sollten bei einer Rosazea keinesfalls über einen längeren Zeitraum zum Einsatz kommen, letztendlich verschlimmert sich der Befund nämlich.

Behandlung mit Blitzlampe (IPL) oder Laser

Zur Verringerung der Gefäßerweiterungen und Hautrötungen eignet sich auch eine Therapie mit Blitzlampe oder Laser. Allerdings können sowohl Narben als auch dunkle oder helle Hautflecken als Nebenwirkungen auftreten – von den Schmerzen ganz abgesehen. Bislang liegt jedoch noch kein eindeutiger Nutzennachweis der photodynamischen Therapie (PDT) bei den für Rosazea typischen Gefäßerweiterungen und Hautrötungen vor.

Rhinopyhm gezielt behandeln

Sollten Wucherungen der Talg- und Hautdrüsen oder ein Rhinophym auftreten, empfehlen sich chirurgische Eingriffe zur Abtragung per Laser, Skalpell oder Kryochirurgie mit flüssigem Stickstoff – oder eine Kombination der Verfahren. In der Regel können damit sehr gute ästhetische Ergebnisse erzielt werden.